Bundesliga-Klubs meiden Türkei für Trainingslager

9. November 2016, 13:23
50 Postings

Bedenken wegen Sicherheit – Sturm und Altach fix in Spanien, Salzburg in Dubai, WAC auf Malta, St. Pölten in Kroatien

Wien – Die politische Situation und unsichere Lage in der Türkei hat auch Auswirkungen auf den Fußball. Die türkische Riviera hat als Trainingslager-Hotspot der Bundesligisten ausgedient, der Großteil der zehn Teams geht in der Frühjahrsvorbereitung diesmal andere Wege. "Natürlich aus Sicherheitsgründen. Man hat ja auch eine gewisse Verantwortung", sagt Altach-Sportdirektor Georg Zellhofer.

Er wolle im Nachhinein nicht sagen müssen, dass es besser gewesen wäre, nicht hinzufliegen. Der Überraschungszweite schlägt daher ab 20. Jänner eine Woche lang in Spanien im Raum Valencia seine Zelte auf und nimmt damit Mehrkosten auf sich. "Vom Preis-Leistungsverhältnis ist die Türkei perfekt. In Spanien muss man mehr hinlegen, sie haben mitbekommen was in der Türkei passiert, sind mit den Preisen raufgegangen", erklärte Altachs Sportchef.

Die Vorarlberger sind dort nicht alleine. Tabellenführer Sturm Graz hat seinen Trip an die spanische Mittelmeerküste ebenfalls schon gebucht. Die Grazer werden von 26. Jänner bis 4. Februar im zwischen Valencia und Alicante gelegenen Resort Oliva Nova residieren, in dem sich 2006 Salzburg auf das Frühjahr vorbereitet hatte. "Es war der allgemeine Wunsch innerhalb des Clubs, nicht in die Türkei zu fliegen", berichtete Pressesprecher Alexander Fasching. Die Grazer waren ein Türkei-Stammgast, hatten seit einem Trip in den Iran (Insel Kish, 2005) Jahr für Jahr dort ihre Zelte aufgeschlagen.

Ende einer Serie

Auch Ried war nach dem neuerlichen Bundesliga-Aufstieg 2005 immer im Winter an der türkischen Riviera zu Gast. Auch diese Serie könnte nun zu Ende gehen. Im Vergleich zu Sturm ist bei den Oberösterreichern aber noch keine definitive Entscheidung gefallen. Fest steht nur der Termin mit 25. Jänner bis 3. Februar.

Offen ist auch noch alles bei den Wiener Klubs. Bei Rapid standen zuletzt Spanien und Portugal in der Pole Position, der neue Trainer, der noch diese Woche gefunden werden soll, wird ein Mitspracherecht haben. Bei der Austria stehen die Türkei, Spanien und Zypern zur Diskussion. Auch aufgrund eines bestehenden Sponsorvertrags mit den Titanic-Hotels könnte es zu einem Wiedersehen im türkischen Belek kommen, in dem vergangene Woche ein Golf-European-Tour-Turnier mit Bernd Wiesberger reibungslos über die Bühne ging. Auch Spanien wäre für die Favoritner kein Neuland, 2006, 2009 und 2010 hatten sie etwa in Marbella Station gemacht.

Neben der Austria, bei der schon am Donnerstag eine Entscheidung fallen soll, deutet nur bei der Admira einiges auf eine Türkei-Reise hin. Roland Kormesser reiste am Mittwoch nach Antalya, um sich bis Freitag vor Ort ein Bild zu machen. "Die Spieler haben keine Bedenken geäußert. Vom Gesamtpaket ist die Türkei unschlagbar", so der Team-Manager der Südstädter. Der Club hat aber auch von Hotels in Spanien und Zypern Angebote eingeholt.

Seit 2009 absolvierten immer zumindest sieben Ligateams ihr Vorbereitungstrainingslager an der türkischen Riviera – in Belek, Side, Lara oder Manavgat. 2011 waren gar alle zehn Teams dort. 2016 fehlte nur der in den letzten Jahren in Portugal trainierende SV Mattersburg. 2014 und 2015 war Salzburg wegen eines Doha-Gastspiels der einzige Liga-Abwesende in der Türkei.

Auch deutsche Teams nicht in Belek

Das war auch für die jeweilige Gegnerbeobachtung perfekt. "Es war alles sehr konzentriert, man konnte quasi mit dem Fahrrad fast alle Gegner beobachten. Das war schon ideal", sagte Zellhofer. Das fällt nun weg, da die Teams dieses Mal ziemlich verstreut sein werden. Titelverteidiger Salzburg feiert von 22. bis 31. Jänner in Dubai ein "Comeback". Am Persischen Golf hatte man schon 2007 und 2008 trainiert.

Der WAC kehrte wegen Sicherheitsbedenken Lara den Rücken und fällte den Entschluss, etwas Neues auszuprobieren. Coach Heimo Pfeifenberger gab Malta gegenüber Spanien den Vorzug, von 20. bis 29. Jänner sind Philipp Prosenik und Co. auf der Insel zu Gast. Bei Aufsteiger St. Pölten sprachen sich die Spieler gegen einen Türkei-Trip aus, als Konsequenz daraus geht es von 21. bis 31. Jänner nach Kroatien. Offen ist zudem, ob die Fallmann-Truppe auf Einladung von 5. bis 14. Jänner in Bahrain gastiert.

Schlusslicht Mattersburg tendiert wieder in Richtung Portugal. "Wir haben dort in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht", schilderte Sportchef Franz Lederer. In den nächsten zwei Wochen soll alles fixiert werden.

Der Trend weg von der Türkei ist auch bei den deutschen Klubs erkennbar. Von den sieben Bundesligisten sowie zahlreichen Zweitligisten, die 2016 dort waren, wird kaum einer mehr im Jänner 2017 seine Zelte in Belek und Co. aufschlagen – trotz bester Plätze und Hotels sowie kurzer Wege vor Ort. Die Angst vor Terroranschlägen ist zu groß. (APA, 9.11.2016)

  • Die türkische Riviera ist kein Hotspot mehr für die Bundesligaklubs.
    foto: reuters/sezer

    Die türkische Riviera ist kein Hotspot mehr für die Bundesligaklubs.

Share if you care.