Arbeitslosigkeit nimmt in Österreich 2017 weiter zu

9. November 2016, 12:16
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EU: Gemäßigtes Wachstum in schwierigen Zeiten, Nationalbank erhöht Prognose für Österreich moderat

Brüssel/Wien – Österreichs Arbeitslosenrate wird laut EU-Herbstprognose der Kommission 2017 zunehmen – von 5,9 Prozent im laufenden Jahr auf 6,1 Prozent im nächsten Jahr. Damit ist Österreich eines von vier Ländern mit einer Verschlechterung der Arbeitslosenquote – neben Estland, Großbritannien und Malta. In der EU und in der Eurozone werden dagegen sinkende Raten vorhergesagt.

Für die EU werden 8,6 Prozent im laufenden Jahr, 8,3 Prozent für 2017 und 7,9 Prozent für 2018 prognostiziert. Die Eurozone kann sich ebenfalls verbessern – von 10,1 über 9,7 auf 9,2 Prozent.

Die höchste Arbeitslosenrate 2017 wird es demnach weiterhin in Griechenland mit 22,2 Prozent geben, gefolgt von Spanien (18,0 Prozent) und Kroatien (11,7 Prozent). Die geringsten Quoten werden demnach im nächsten Jahr Tschechien (4,1 Prozent), Deutschland (4,3 Prozent) und Ungarn (4,7 Prozent) aufweisen. Österreich liegt mit seinen 6,1 Prozent damit nur mehr auf Rang neun – gemeinsam mit Luxemburg.

Budgetdefizit sinkt

Die Herbstprognose der EU-Kommission sagt Österreich außerdem für 2017 mit 1,3 Prozent ein niedrigeres Budgetdefizit voraus als noch in der Frühjahrsprognose mit 1,4 Prozent. Für das laufende Jahr wird das Haushaltsdefizit mit 1,5 Prozent demnach gleichbleiben. Für 2018 wird ein weiteres Absinken des Haushaltsdefizits auf 1,1 Prozent des BIP prophezeit.

Das Defizit in der EU soll demnach für das laufende Jahr 2,0 Prozent betragen, 2017 auf 1,7 Prozent sinken und 2018 weiter auf 1,6 Prozent abnehmen. Für die Eurozone wird der heurige Budgetabgang mit 1,8 Prozent vorhergesagt, im nächsten Jahr sind 1,5 Prozent ausgewiesen, ebenso für 2018.

Bei der Staatsverschuldung kommt Österreich positiv voran – also von 83,5 Prozent des BIP im laufenden Jahr werden nur mehr 81,1 Prozent für 2017 und ein weiterer Rückgang auf 79,2 Prozent für 2018 vorhergesagt.

Wirtschaftswachstum stabil

Die heimische Wirtschaft wird 2017 um 1,6 Prozent wachsen. Die Prognose ist damit unverändert gegenüber der Frühjahrsvorschau. Für das laufende Jahr erwartet die Kommission ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Auch das bedeutet keine Änderung gegenüber der Frühjahrsprognose.

In ihrem Länderbericht zu Österreich weist die Kommission darauf hin, dass der Privatkonsum der Hauptantrieb für die Entwicklung sei, gemeinsam mit der Steuerreform, die die Einkommen der Haushalte erhöht habe. Der Aufwärtstrend des Landes seit 2015 habe beibehalten werden können. Allerdings hätten sich die Exporte im ersten Halbjahr 2016 schwach entwickelt.

Griechische Staatsschulden auf Höchststand

Griechenland soll mit 181,6 Prozent Staatsschulden im laufenden Jahr seinen Höchstwert nach der Krise erreichen. Für 2017 wird ein leichtes Absinken auf 179,1 Prozent und 2018 eine Reduktion auf 172,4 Prozent erwartet.

Die Wirtschaftsleistung in der gesamten EU wird sich für 2017 um 1,6 Prozent steigern. Für die Eurozone prognostizierte die Brüsseler Behörde ein Plus von 1,5 Prozent. EU-Steuerkommissar Pierre Moscovici erklärte, es handle sich um ein "gemäßigtes Wachstum in schwierigen Zeiten".

Damit hat die Kommission ihre Prognose gegenüber dem Frühjahr nach unten revidiert. Damals war noch von einem Wachstum von 1,8 Prozent in der Eurozone und von ebenfalls 1,8 Prozent in der EU für das nächste Jahr ausgegangen.

Privater Konsum als Stütze

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat unterdessen ihre Konjunkturprognose für Österreich für das vierte Quartel 2016 um moderate 0,1 Punkte auf 0,4 Prozent erhöht. Für das erste Quartal 2017 werden 0,5 Prozent Wachstum erwartet. Im Inland stützen Investitionen und privater Konsum die Wirtschaft. Warenexporte steigen nur "moderat", der Tourismus profitiere aber, heißt es in einer Aussendung der OeNB vom Mittwoch.

In der vor der Wahl von Donald Trump erstellten Analyse heißt es: "Das Wachstum in den USA fiel im ersten Halbjahr 2016 enttäuschend aus." Auch die britische Brexit-Entscheidung habe Unsicherheiten ausgelöst, was die mittelfristigen Wachstumsaussichten in Europa dämpfe. Auch in Ost- und Südosteuropa sei die Dynamik "verhalten". Dennoch signalisiere der OeNB-Exportindikator eine leichte Beschleunigung des Exportwachstums für die nächsten Monate. Auch die Industriekonjunktur habe "im dritten Quartal deutlich an Fahrt gewonnen", nach einer Unsicherheit im Anschluss an die Brexit-Entscheidung herrsche nun eine "deutliche Stimmungsaufhellung". Das wirke sich positiv auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus.

Die realen Einkommen der Haushalte haben sich wegen Einkommenssteuerreform und niedriger Inflation zwar zuletzt sehr günstig entwickelt. "Angesichts der starken Wachstumsanreize ist der private Konsum noch immer recht verhalten" relativiert die OeNB. Das lasse Spielraum für zusätzliche Konsumausgaben in den nächsten Monaten. "Insgesamt wird die österreichische Wirtschaft über den Jahreswechsel auf ihrem stabilen Wachstumspfad bleiben" fasst die OeNB zusammen. (APA, 9.11.2016)

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    grafik: apa
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