"Wir wussten, was wir tun": Anne Will verteidigt Einladung Illis

9. November 2016, 12:14
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Zuseher hätten "verstanden, welchem Irrglauben Frau Illi aufsitzt", so Anne Will zu Propagandavorwürfen nach dem ARD-Talk

Hamburg – Die TV-Journalistin Anne Will verteidigt die Einladung der vollverschleierten islamischen Fundamentalistin Nora Illi in ihre Live-Talkshow am Sonntag in der ARD: "Wir wussten, was wir tun, wenn wir Frau Illi einladen. Wir haben für uns abgewogen, ob das in diesem Kontext (des vorher gesendeten Tatorts über die Radikalisierung junger Muslime) für uns vertretbar ist", sagt Will in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Zeit".

"Wir wollten zeigen: Wie denkt Frau Illi in der von uns diskutierten Frage? Ich hätte es als journalistisches Versäumnis ersten Ranges empfunden, wenn wir genau das nicht gezeigt hätten", so Will weiter. Wie berichtet sorgte die Einladung Illis für teils heftige Kritik bei Zusehern, Politikern und einem Teil der Gäste.

"Das ist Propaganda, so etwas kann man im öffentlichen Fernsehen nicht machen", sagte Islamismusexperte Ahmad Mansour in der Sendung, nachdem sich Illi um eine Antwort auf die Frage gedrückt hatte, was sie jungen Leuten, insbesondere Mädchen, rate, die zum IS reisen wollen.

Will: "Diskutieren lassen"

"Anstößige Inhalte, und als solche empfinde ich sie, muss ich trotzdem diskutieren lassen", erklärt Anne Will. "Wenn wir uns gar nicht mehr anschauen, wie die radikalisierten Kräfte in unserer Gesellschaft denken, berauben wir uns in einer demokratischen Gesellschaft eines wesentlichen Mittels."

Auf die Frage, ob es Grenzen des Diskutierbaren gibt, antwortet Will der "Zeit": "Wir hatten vier Muslime in der Sendung, die alle ihre eigene Auslegung des Islam leben und die darüber diskutierten, welche Auslegung des Islam noch zulässig ist und wo die Grenzen liegen. Das fand und finde ich legitim. Ich glaube sogar, dass eine solche innerislamische Auseinandersetzung ein wichtiger Beitrag ist zu der im Moment stattfindenden Debatte." Die Grenze sei da erreicht, "wo zu Gewalt aufgerufen wird. Das hat Frau Illi aber nicht getan."

"Irrglaube verstanden"

Und sie fügt hinzu: "Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich irgendjemand vor dem Fernseher spontan radikalisiert hätte, als er Frau Illi gesehen hat. Das glatte Gegenteil ist der Fall. Man hat verstanden, welchem Irrglauben Frau Illi aufsitzt."

Der NDR, der die Sendung produziert, verteidigt am Montag die Einladung Illis. Die Entscheidung, eine radikale Befürworterin der Verschleierung und eine Verteidigerin der IS-Ideologie in der Sendung zu platzieren, sei "sorgfältig abgewogen" worden, teilte die verantwortliche NDR-Redakteurin Juliane von Schwerin mit. Dennoch wird sich der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks am 2. Dezember mit der Causa befassen. (red, 9.11.2016)

  • Anne Will im Gespräch mit Nora Illi.
    foto: ndr

    Anne Will im Gespräch mit Nora Illi.

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