Wieso das Smart Home nicht selbst bauen?

10. November 2016, 09:00
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Eine wunderbare Plattform dafür bietet der Raspberry Pi

Das Thema Hausautomatisierung und -überwachung wird zunehmend beliebter. Unter dem Begriff Smarthome bieten viele große Konzerne die verschiedensten Produkte an. Doch was versteht man eigentlich darunter? Smarthome bezeichnet das intelligente Haus. Die Menge an Intelligenz, die Sie Ihrem Haus verleihen möchten liegt jedoch ganz bei Ihnen.

Eine sanfte, freundliche Farbtemperatur

Ihr Wecker klingelt und gleichzeitig werden Sie sanft von den ersten Sonnenstrahlen geweckt, die sich durch die pünktlich öffnenden Rolladen schieben. Die Heizung im Bad ist bereits auf die perfekte Temperatur hochgefahren. Lange vor Ihrer morgendlichen Dusche hat die Kaffeemaschine Ihre Anwesenheit bereits bemerkt und bereitet frischen Kaffee zu.

Das Licht am Frühstückstisch stellt sich auf eine sanfte, freundliche Farbtemperatur ein. Die Stereoanlage spielt automatisch Ihr Lieblingslied und bereitet Sie langsam auf den neuen Tag vor.

Ein Blick auf das Smartphone beruhigt: Keine fremden nächtlichen Aktivitäten im Garten und auch die Bodenfeuchtigkeit der Topfpflanzen befindet sich auf einem gesunden Niveau.

Das Haus verabschiedet sich

Voller Zufriedenheit können Sie sich auf den Weg zur Garage machen, welche sich ohne Ihr Zutun öffnet und wieder verschließt. Ihr Haus verabschiedet sich von Ihnen, schaltet die Lichter aus, verschließt die Türen, fährt die Heizungen wieder in den Sparbetrieb und schaltet die Kameras scharf. Auch das vergessene Bügeleisen wird für Sie abgeschaltet.

Damit Sie auch unterwegs stets über den Zustand Ihrer vier Wände informiert sind, bietet der Blick auf`s Smartphone Livebilder aus dem Garten, Informationen über Temperaturen, geöffnete Fenster und Rolladen, den Zustand der Pflanzen und teilt Ihnen sogar mit, wann Ihre Frau das Haus verlässt.

Selbstverständlich beginnt Ihr Haus pünktlich zum Feierabend damit, sich voll und ganz auf Ihre Rückkehr vorzubereiten. Eine Szene, die vor wenigen Jahren nur in Science-Fiction-Filmen zu sehen war. Heutzutage verfügen sehr viele Wohnungen und Häuser über solche Automatismen.

Wenn Sie starten, sich mit dem Thema zu befassen, so werden Ihnen unweigerlich Namen wie innogy Smarthome, Apple HomeKit und Phillips Hue über den Weg laufen. Mit diesen Systemen der großen Marken haben Sie bereits viele Möglichkeiten Ihr Haus zu vernetzen. Jedoch lassen sich die Firmen diesen Luxus auch gut bezahlen. Ebenso sind Sie zumeist in einem der Systeme gefangen und binden sich so an einen Hersteller der Smarthome-Module. Oftmals lagern Ihre persönlichen Daten zudem auf den Servern der Konzerne, was dem Sicherheitsaspekt wieder einen faden Beigeschmack verleiht.

DIY mit dem Raspberry Pi

Wieso also nicht Selbstbauen? Eine wunderbare Plattform dafür bietet der Raspberry Pi. Dabei handelt es sich um einen kreditkartengroßen Computer, welcher seit Anfang 2012 für knapp 30 EUR bereits in der dritten Version im Handel erhältlich ist. Der Raspberry Pi 3 besitzt einen vierkernigen Prozessor mit je 1,2 GHz und verfügt über 1 GB Arbeitsspeicher. Durch die Integration der gängigen Schnittstellen wie USB, HDMI, LAN, W-LAN und Bluetooth, ist Handhabung des kleinen PCs ähnlich des großen Bruders auf dem Schreibtisch. Die Besonderheit des Raspberry Pi liegt neben seinem geringen Stromverbrauch von knapp 3,5 W, in den 40 frei belegbaren und programmierbaren Ein- und Ausgängen.

Dadurch spielt der Raspberry Pi nahezu in einer Liga mit einer professionellen SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung). Ursprünglich entworfen um Kindern und Schülern das Programmieren näherzubringen, hat sich der Raspberry Pi zu einem der beliebtesten Einplatinencomputer überhaupt entwickelt.

Ein kleines Multitalent

Die unglaublich große Community entwickelt Projekte vom Modellbau über Heimkino sowie Server- und Cloudprojekte bis hin zur Hausautomatisierung. Der Raspberry Pi ist ein kleines Multitalent. Einmal in seinen Bann gezogen, lässt einen der Mini-PC nicht mehr los. So kann es passieren, dass die Kaffeemaschine nach der Behandlung mit Lötkolben und Schraubenzieher kurzerhand einen eigenen Internetzugang spendiert bekommt. Durch diese nahtlose Verbindung von Elektronik und Internet, die der Raspberry Pi bietet, eignet er sich wunderbar als Smarthome-Spielplatz. Er ermöglicht Lösungen, die Sie sich perfekt auf Ihre Bedürfnisse zurechtschneidern können.

Ein Projekt, welches in dem Zuge zu erwähnen ist, ist FHEM. Diese quelloffene Heimautomatisierungssoftware kann auf dem Raspberry Pi installiert werden und bietet volle Kontrolle über die Gestaltung der Bedienoberflächen. Zudem beschränkt sich FHEM nicht auf ein System, sondern gestattet es mittlerweile über 30 Systeme und Protokolle der unterschiedlichsten Hersteller zu vereinen. Dadurch kann plötzlich eine Philips Glühbirne mit einer Intertechno Steckdose reden.

Funksteckdosen aus dem Baumarkt

Am meisten Spaß macht jedoch der komplette Eigenbau. Mit einem kleinen Funkmodul können Sie die Funksteckdosen aus dem Baumarkt schon bald über das Smartphone schalten. In unserem Haus weiß der Raspberry Pi beispielsweise durch die Überwachung des Heimnetzes jederzeit wann wir — respektive unsere Smartphones— das Haus betreten und kann schon einmal die passende Lichtstimmung für einen gemütlichen Abend auf der Couch einrichten.

Bei der Umsetzung Ihrer Ideen haben Sie viele verschiedene Möglichkeiten. So können Sie einerseits auf fertige, meist frei erhältliche Software zurückgreifen, die Sie nur installieren und anpassen müssen oder Sie programmieren sich Ihr eigenes Smarthome-System. Der Raspberry Pi basiert auf Linux und lässt sich wunderbar in den Programmiersprachen C, Python oder Java programmieren.

Fantasie freien Lauf lassen

Sicherlich kann der Umfang der Möglichkeiten und der damit verbundene Lernaufwand Neulinge erstmal abschrecken, aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Schnappen Sie sich eins der vielen Bücher und besuchen Sie die großen Raspberry-Pi-Foren im Internet und Sie werden sehen, dass Ihre Lernkurve durch die schnellen Erfolgserlebnisse ziemlich steil ist. Spätestens wenn Sie die erste LED über Ihr Handy einschalten, wird Sie der Raspberry Pi nicht mehr loslassen.

Raspberry-Pi.

Smarthome ist also ein Begriff unter dem Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Sie sind schon lang nicht mehr an die Fertiglösungen der Elektronik-Giganten gebunden, sondern können selbst entscheiden welchen Teilen Ihres Hauses oder welchen Geräten Sie die künstliche Intelligenz verleihen möchten. Durch den Eigenbau bleiben Sie immer Herr Ihrer vier Wände und bestimmen selbst welche Daten Sie preisgeben möchten. (Christoph Scherbeck, 10.11. 2016)

  • Das Raspberry Pi.
    foto: standard/kofler

    Das Raspberry Pi.

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