Craftbier: Egon aus Gablitz

Kolumne29. November 2016, 12:02
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Craftbiere beziehen ihren herben Charme oft aus extremen Rezepten. Die aus Gablitz nicht

Markus Führer ist einer jener Spätberufenen, die irgendwann draufgekommen sind, dass sie sich durch eigenes Bier selbst verwirklichen können. Wie viele Gründer in der Bierszene kommt er aus der Werbewirtschaft – und hat daher eine Routine darin, gute Storys zu seinen Bieren zu erzählen.

Um nicht der Versuchung zu erliegen, den gesamten Platz dieser Kolumne seinem Erzählschatz zu überlassen, starten wir hier erst einmal mit den Verkostungsnotizen für Führers neuestes Bier namens Egon: Goldgelb mit sehr deutlicher Trübung und einem kompakten, feinporigen und reinweißen Schaum zeigt es sich im Glas.

In der Nase zeigen sich blumige Hopfennoten, dazu ein wenig Hefegeruch und ein Hauch von Butter – also Diacetyl, was der typische Marker für ein klassisches böhmisches Pils ist. Das will das Egon auch sein – und Führer hat es auch geschmacklich hinbekommen. Der Antrunk ist vollmundig bei einer gleichzeitig deutlichen Bittere, der Nachtrunk trocken – bei 5,7 Prozent Alkohol liegt das Bier allerdings am oberen Limit dessen, was man unter "Bohemian Style Pilsner" versteht.

Und nun noch schnell Führers Story dazu: Er hat herausgefunden, dass seine Familie aus dem böhmischen Krumau stammt und dass Egon Schiele ein Großonkel dritten Grades war. Und deshalb prangt auch ein Schiele-Porträt auf diesem unaufgeregt milden Craftbier.(Conrad Seidl, RONDO, 29.11.2016)

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