Med-Uni kündigt Vertrag über Pathologie mit Tirol-Kliniken

9. November 2016, 07:00
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Der Streit zwischen der Medizinischen Universität und der Landesklinik in Innsbruck eskaliert. Die Versorgung der Patienten sei aber gesichert

Innsbruck – Es brodelte seit Monaten. Die Tirol Kliniken des Landes und die Medizinische Universität Innsbruck, die wiederum vom Bund finanziert wird, kamen in Sachen Pathologie auf keinen grünen Zweig mehr. Gemäß bestehendem Vertrag erledigte die Med-Uni die Pathologiebefunde für die Klinik. Doch Anfang Oktober gab die Klinik bekannt, sich aus diesem Vertrag verabschieden zu wollen, um in den kommenden zwei Jahren ihre eigene Pathologie aufzubauen. Für die Uni-Leitung ein Affront. Rektorin Helga Fritsch reagierte nun ihrerseits und kündigte den Vertrag bereits mit 11. November.

"Diese Kündigung hat mich überrascht", sagt die ärztliche Direktorin der Tirol-Kliniken, Alexandra Kofler. Dennoch hält sie an der Entscheidung, ein eigenes Institut zu gründen, fest: "Dass wir etwas tun müssen, hat sich abgezeichnet." Sie nennt Mängel in der Arbeit der Pathologie der Med-Uni als Grund: "Es kam vermehrt zu Unsicherheiten. Die Befundungen dauerten zu lange." Regelmäßige Wartezeiten von drei Wochen seien für Krebspatienten untragbar gewesen.

Neuverhandlung notwendig

Vorwürfe, die Rektorin Fritsch so nicht bestätigen kann: "Wir haben dazu andere Informationen." Es mag Einzelfälle gegeben haben, bei denen die Befundung zu lang gedauert habe, räumt sie ein, jedoch sei dies "sicher nicht flächendeckend" passiert. Die Med-Uni sieht die Probleme vielmehr im veralteten Pathologievertrag zwischen Bund und Land begründet, der seit Jahrzehnten überholt sei. Allerdings wäre eine Änderung mit Mehrkosten für das Land verbunden, weshalb eine Neuverhandlung bereits unter ihren Vorgängern stets gescheitert sei.

Zudem kritisiert Fritsch, dass einzelne Abteilungen der Tirol-Kliniken "Insellösungen" geschaffen hätten und entweder selbst oder mit externen Pathologen Proben analysiert hätten: "Von einer zentralen Pathologie konnte man daher schon lange nicht mehr sprechen." Nachdem die Tirol-Kliniken im Oktober ihre eigene Lösung für das Problem publikgemacht hatten, habe sie reagieren müssen, erklärt Fritsch die plötzliche Kündigung des Vertrags.

Trotz Trennung Gespräche

Seitens der Tirol-Kliniken versichert Kofler, dass die Patientenversorgung gesichert sei. Man könne nun sogar, etwa im Tumorboard, wieder schneller reagieren. Eine ehemalige Fachärztin des Uni-Instituts arbeite bereits zusammen mit einem niedergelassenen Pathologen im Auftrag der Klinik. Für sie wird im Haus ein Labor eingerichtet. Zugleich läuft eine Bedarfserhebung hinsichtlich der Gründung eines eigenen Pathologieinstituts. Danach erfolgt die Ausschreibung. Dieser Prozess werde rund ein Jahr lang dauern, sagt Kofler.

Trotz der vorübergehenden Trennung bleibt man im Gespräch, bekräftigen beide Seiten. Das Institut an der Med-Uni bleibt bestehen, nur die Diagnostik wurde aufgelassen. Beide Seiten nennen eine Neuverhandlung des Zusammenarbeitsvertrags zwischen Bund und Land als Voraussetzung für eine Wiederauflage der Zusammenarbeit. (Steffen Arora, 9.11.2016)

  • Die Befundung soll zu lange gedauert haben, lautet ein Vorwurf im Tiroler Streit um die Pathologie.
    foto: apa/gindl

    Die Befundung soll zu lange gedauert haben, lautet ein Vorwurf im Tiroler Streit um die Pathologie.

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