Der Prediger mit der Propaganda-App ist in Haft

Kopf des Tages8. November 2016, 18:11
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Ahmad A., der sich auch Abu Walaa nennt, wurde in Deutschland festgenommen

"Das ist der Schlimmste" – die Beschreibungen, die Sicherheitskreise am Dienstag in deutschen Medien von Ahmad Abdelaziz A. gaben, waren wenig schmeichelhaft – jedenfalls aus Sicht der Behörden. Der 32-Jährige, der sich selbst auch Abu Walaa nennt, ist schon länger im Visier der Ermittler gestanden. Schon 2012 stufte das Innenministerium den islamischen Prediger als "hoch konspirative Person" ein, 2015 gar als Gefährder. Nun, am Dienstag, wurde er gemeinsam mit weiteren vier Männern festgenommen.

Sie stehen im Verdacht, in Deutschland Kämpfer für die Terrormiliz "Islamischer Staat" angeworben und damit eine terroristische Organisation unterstützt zu haben. Derartige Vorwürfe sind für Abu Walaa nicht ganz neu – und bisher hat er sie, wurde er damit konfrontiert, stets zurückgewiesen.

Dass er sich solchen Fragen schon bisher stellen musste, liegt auch daran, dass der im Irak Geborene, der seit 15 Jahren im niedersächsischen Bad Salzdetfurth südlich von Hannover lebt, sich selbst durchaus medienwirksam inszeniert. Dabei galt Abu Walaa bisher insbesondere als Internetpersönlichkeit: Auf Facebook, Twitter und in diversen Chatgruppen verbreitete er immer wieder Videos, in denen er mit dem Gesicht zur Wand und in einen schwarzen Umhang gekleidet seine Botschaft in fließendem Deutsch verbreitete. Auch eine eigene App nutzte der Mann, der bald als "Prediger ohne Gesicht" galt, für seine Propaganda. Auffällig war auch eine im Internet ausgetragene Auseinandersetzung mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel, den Abu Walaa angriff, als dieser sich vom IS abgrenzte.

Doch es geht nicht nur um virtuelle Vergehen: Im Umkreis von Kursen, die Abu Walaa in mehreren Moscheen gehalten hatte, war es immer wieder zu einer auffälligen Häufung von Ausreiseversuchen nach Syrien gekommen. Vor allem deshalb wurde seit mehr als einem Jahr gegen ihn ermittelt. Nicht immer mit Erfolg: Bei Razzien im nordrhein-westfälischen Tönisvorst nordöstlich von Düsseldorf war 2012 und im vergangenen Sommer wenig von Substanz gefunden worden.

Ob die Beschreibung eines vom IS abgefallenen Syrien-Rückkehrers wirklich auf ihn passt, ist freilich auch in Ermittlerkreisen umstritten. Anil O. hatte Abu Walaa in Interviews vor seiner Verhaftung als "Nummer eins des IS in Deutschland" beschrieben. Er erwartete sich von seiner Zusammenarbeit mit den Behörden freilich selbst Strafmilderung. (Manuel Escher, 8.11.2016)

  • Abu Waala, die "Nummer eins des IS in Deutschland".
    foto: screenshot

    Abu Waala, die "Nummer eins des IS in Deutschland".

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