Hundstorfer: "Integration, Gesundheit, Bildung"

8. November 2016, 17:31
41 Postings

Der neue BSO-Präsident fordert mehr Steuergeld für den Sport. Das System der Förderstrukturen will er 2017 "neu aufsetzen"

Wien – "Ich war immer dabei!" Also sprach Rudolf Hundstorfer am Dienstag anlässlich seines Antritts als Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO). Hundstorfer bezog sich nicht etwa auf die SPÖ, die auf diesen Posten quasi abonniert ist, sondern auf den Sport. In sehr jungen Jahren hatte er geturnt, in immer noch jungen Jahren war er auf Handball umgestiegen. Mit 22 Jahren hörte er damit auf, dem Handball blieb er aber verbunden, seit zwei Jahrzehnten steht der 65-Jährige dem Wiener Verband vor.

Dort wird derzeit seine Nachfolge geregelt, einmal Präsident muss reichen. Der – übrigens ehrenamtliche – Job bei der BSO hat Hundstorfer interessiert – "aber nicht, damit ich einen Monat vor jemand anderem Präsident werde". Der ehemalige Minister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (Dezember 2008 bis Jänner 2016) spielte auf seine missglückte Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl an, die er im ersten Wahlgang als Vierter (11,28 Prozent) beendet hatte. Die BSO war eine vergleichsweise gemähte Wiese. Schon im September hatte sich ein sechsköpfiger Wahlausschuss auf Hundstorfer verständigt, am vergangenen Freitag wurde diese Verständigung von der Sportversammlung einstimmig abgenickt. Für dieses Prozedere kann Hundstorfer nichts, über die hundertprozentige Zustimmung hat er sich dennoch gefreut. Schließlich gebe es in der BSO durchaus auch kritische Stimmen. "Aber die Kritiker sind eingebettet."

"Gesellschaftspolitisch die Stimme erheben"

Die BSO versteht sich als "zentrale Koordinations- und Beratungsplattform innerhalb des österreichischen Sportsystems". Ihr gehören die drei Dachverbände (Askö, Union, Asvö), die sechzig Sportfachverbände sowie das ÖOC, der Behindertensportverband, das Paralympische Komitee und Special Olympics Österreich an. "Die BSO ist die Heimat des Sports", sagt Hundstorfer und kündigt an, er werde "immer wieder gesellschaftspolitisch die Stimme erheben".

Da und dort sieht sich der neue BSO-Chef, nicht nur in der SPÖ, an der Seite von Sportminister Hans Peter Doskozil. Dessen Pläne zur im Nationalrat beschlossenen Umsetzung der täglichen Bewegungseinheit an Pflichtschulen finden Hundstorfers Unterstützung. Und was die Förderstrukturen im Sport angeht, tritt auch die BSO für eine Vereinfachung ein. Hundstorfer will, gemeinsam mit Doskozil, bis Mitte 2017 "das System neu aufsetzen". Sportförderung neu also, damit ist noch so gut wie jeder Sportminister dahergekommen. Vereinfacht wurde meistens nichts, eher sind neue, zusätzliche Fördertöpfe erfunden worden. Doch diesmal soll alles anders werden, versichert Hundstorfer dem Standard. "Wir wollen nichts Zusätzliches, sondern einen echten Ersatz für vorhandene Strukturen."

"Ihr zahlt bitte mit"

Hundstorfer will "nicht verwalten, sondern gestalten" und erreichen, dass dem Sport mehr öffentliches Geld zur Verfügung steht. 130 Millionen Euro an Sportförderung jährlich seien eine relative Größe. Mehr als 18 Millionen fließen in Projekte, die auch, aber nicht nur mit Sport zu tun haben. "Integration, Gesundheit, Bildung", listet Hundstorfer im Gespräch mit dem Standard Bereiche auf, denen Sportengagement zugutekommt. Er will den zuständigen Minister Sebastian Kurz sowie die zuständigen Ministerinnen Sabine Oberhauser und Sonja Hammerschmid kontaktieren, ihnen sagen: "Der Sport hilft gern. Aber ihr zahlt bitte mit." (Fritz Neumann, 8.11.2016)

  • Also sprach Rudolf Hundstorfer.
    foto: apa/hans klaus techt

    Also sprach Rudolf Hundstorfer.

Share if you care.