Praterbrücke als mögliche Ursache für Großpleite am Bau

8. November 2016, 18:13
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Asfinag wegen Insolvenz von GLS Bau mit 280 Dienstnehmern und mehr als 1.100 Gläubigern in der Kritik

Linz/Wien – Eine deutliche Kostensteigerung bei der Sanierung der Praterbrücke in Wien ist der oberösterreichischen GLS Bau GmbH und deren Tochter RW Montage nach eigenen Angaben zum Verhängnis geworden. Sie sind mit insgesamt 65 Millionen Euro überschuldet. Am Dienstag haben beide Unternehmen mit Sitz in Perg die Eröffnung von Insolvenzverfahren am Landesgericht Linz beantragt.

Die Anträge stammen aus der Feder des renommierten Welser Rechtsanwalts Martin Stossier. Die GLS plant ein Sanierungsverfahren, die RW Montage wird in den Konkurs geschickt. Rund 285 Mitarbeiter sind von den Pleiten betroffen, davon 221 bei der GLS. Das haben die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV 1870 am Dienstag bekanntgegeben. Die Hälfte der Mitarbeiter wurde beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Den Gläubigern der GLS sollen 20 Prozent Quote in zwei Raten gezahlt werden.

Problem Praterbrücke

Als Insolvenzursache führt die GLS-Gruppe die "immensen Mehrkosten im Zusammenhang mit dem im November 2014 übernommenen Auftrag zur Generalsanierung der Wiener Praterbrücke" an. Die GLS hatte in einer Arbeitsgemeinschaft mit der Kärntner SSB den Zuschlag vom Autobahnbetreiber Asfinag für die Sanierung der Praterbrücke auf der Südosttangente (A23) erhalten. Diese Arbeitsgemeinschaft hatte mit 37,888 Millionen Euro die Angebote der Mitbewerber-Konsortien um Porr und Strabag deutlich unterboten.

Dann sollen bei der Generalerneuerung der Brücke Mehrkosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro entstanden sein. Unter anderem hätten Deckbleche der Brücke feine Risse, Dellen und Kratzer aufgewiesen haben, die abgeschliffen werden mussten.

Mehrkostenfalle

"Trotz Vorlage von bauwirtschaftlichen und rechtlichen Gutachten in unserem Sinne, erstellt durch namhafte österreichische Universitätsprofessoren, konnte über die vertraglich begründeten Mehrkostenforderungen aufgrund von Leistungsänderungen und Zusatzaufträgen keine Einigung mit dem Bauherrn erzielt werden", sagt das Unternehmen.

Die Asfinag als Auftraggeber sieht das ganz anders. Für eine Teilleistung im Volumen von 175.000 Euro seien plötzlich Mehrkosten von 176 Millionen Euro verrechnet worden. Also fast eine Vertausendfachung, erklärte Gernot Brandtner, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management, am Dienstag. Dieser Betrag sei dann in mehreren Gesprächsrunden auf 9,5 Millionen Euro korrigiert worden, diese seien damit aber immer noch "keinesfalls gerechtfertigt", meint der Staatsbetrieb. Die Fertigstellung der Praterbrücke sei übrigens weiterhin mit Spätsommer 2017 anberaumt.

Eigentümer der GLS Bau und Montage GmbH sind je zur Hälfte die E. Wall Privatstiftung um Edmund Wall und die WB Privatstiftung um Walter Besenbäck. Wall und Besenbäck sind auch Geschäftsführer der GLS. Die Passiva der GLS haben einen Buchwert von 54,57 Millionen Euro, abzüglich der Besicherungen bleiben Schulden in Höhe von rund 27 Millionen. Die Aktiva (Buchwert) der GLS werden mit 37,3 Millionen beziffert, das freie Vermögen mit rund zwei Millionen Euro. Die RW Montage GmbH hat rund 10,49 Millionen Euro Passiva, freie Aktiva für die Masse sind offenbar keine vorhanden. (red, 9.11.2016)

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