Allgäu und Vorarlberg: Ikea will Bodenseeraum erobern

9. November 2016, 07:00
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Die Lustenauer Gemeindevertretung entscheidet am Donnerstag über die Ansiedlung von Ikea. Es wäre der erste Standort in Vorarlberg

Lustenau – Ikea, der schwedische Möbelriese, will den Bodenseeraum erobern. 2019 wird ein Abholmarkt in Memmingen im Allgäu eröffnet, in Lustenau, eine Autostunde entfernt, soll der erste Ikea-Standort Vorarlbergs realisiert werden. Dazu will die Gemeindevertretung Donnerstagabend die Weichen stellen.

Nach zweijährigen Verhandlungen einigten sich die Ikea Einrichtungen-Handelsgesellschaft m.b.H. und Bürgermeister Kurt Fischer (VP) auf das Geschäft. Geht es nach dem Bürgermeister und seiner Fraktion, verkauft die Gemeinde 24.400 Quadratmeter Grund beim Gewerbegebiet Millenniumpark um neun Millionen Euro an Ikea. In vier gemeinsamen Sitzungen von Planungs- und Wirtschaftsausschuss, zwei davon mit Vertretern von Ikea, habe man die Gemeindevertreter über den Verhandlungsstand informiert, begegnet Fischer Kritik der Grünen, die Transparenz vermissen.

Berichte in nicht öffentlichen Ausschüssen entsprächen nicht einer transparenten Diskussionskultur, kritisiert der Grünen-Abgeordnete Daniel Zadra. Es wurden weder offene Entscheidungsprozesse zugelassen, noch lägen Verkehrsgutachten vor, sagt Zadra.

Kein Dialog in Lustenau

Anders in Memmingen. Dort führte Ikea Dialogforen mit den Bürgerinnen und Bürgern durch, die Gemeinde macht über eine Website alle Gutachten zugänglich.

Die größte Befürchtung der Ikea-Gegnerschaft ist steigendes Verkehrsaufkommen. In Memmingen, wo Ikea 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche plant, ist in Spitzenzeiten am Samstag mit 990 Fahrzeugen stündlich zu rechnen.

In Lustenau soll der Markt zwar nur halb so groß, 10.000 Quadratmeter, sein. Die Gemeinde an der Schweizer Grenze leidet aber heute bereits unter extremer Transitbelastung durch Einkaufsverkehr nach Dornbirn. Da Ikea mit dem Einzugsgebiet Ostschweiz und Graubünden rechnet, dürfte der grenzüberschreitende Verkehr weiter steigen.

Für die notwendigen verkehrstechnischen Maßnahmen ist laut Kaufvertrag Ikea zuständig. Der Gemeinde sollen dadurch keine Kosten entstehen, die Verkehrsbelastung darf laut Vertrag nicht "unzumutbar" sein. Was Lustenau zumutbar ist, wurde nicht näher definiert.

Keine blau-gelbe Kiste

Nicht zumuten will man den Lustenauern den Anblick einer simplen Ikea-Kiste. Die "Fortschreibung der hohen architektonischen Qualität im Millenniumpark" hat man sich vertraglich abgesichert: "Die Käuferin erkennt die Bedeutung der Sicherstellung hoher architektonischer Qualität", steht im Kaufvertrag. Ikea wäre nicht der erste internationale Konzern, der sich in Lustenau anpassen muss. McDonald's ließ sich dort seine Fassade von Eberle Baumschlager Architekten gestalten. Das renommierte Architekturbüro hat selbst im Millenniumpark sein Headquarter.

Bevor Ikea in Lustenau tatsächlich Bagger auffahren lassen kann, müssen noch Landesraumplan, örtlicher Flächenwidmungs- und Bebauungsplan geändert werden. Die Grünen fordern eine Volksabstimmung. (Jutta Berger, 9.11.2016)

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