Sanfter Anstoß zu einer neuen Strategie

13. November 2016, 17:59
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Experten und Beteiligte diskutierten den Status quo des heimischen Innovationssystems und forderten mehr Umsetzung. Eine OECD-Länderstudie soll kommen

Wien – Was die zahlreichen Rankings und jeweiligen Platzierungen über die jeweiligen Leistungen tatsächlich aussagen, ist umstritten. Darauf wies auch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner in seinem Vortrag bei der Tagung des ERA Council-Forums hin – und konnte es dann doch nicht lassen, vor allem zwei Platzierungen Österreichs zu erwähnen.

Denn es gibt da eine Diskrepanz, die jedem forschungspolitisch Interessierten zu denken geben muss: Österreich liegt mit etwas über 3 Prozent F&E-Ausgaben auf Rang drei in Europa. Im sogenannten Innovation Scoreboard der EU, das die Innovationskraft eines Landes nach 25 Indikatoren misst, rangiert Österreich im jüngsten Ranking gerade einmal auf Platz 10.

Immerhin gab es zuletzt einen kleinen Aufwärtstrend: Man gewann einen Platz, nachdem es in den vergangenen Jahren eigentlich nur bergab ging und man sich rangmäßig von der Spitzengruppe der innovativsten Länder im europäischen Forschungsraum entfernte (ERA).

Mängel in der Umsetzung

Die Vorsitzende des ERA Council Österreich, das die Regierung aus europäischer Perspektive berät, ist die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny. Und die langjährige Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC) strich in ihrer Rede heraus, dass es Österreichs Innovationsökosystem vor allem auch an der Umsetzung – nicht zuletzt von klugen Expertenempfehlungen – mangelt. Entsprechend stand die Tagung im Palais Liechtenstein, an der 300 Mitgestalter des nationalen und internationalen F&E-Bereichs teilnahmen, auch unter dem Motto "Just do it!"

Umsetzungsprobleme gibt es aber nicht nur im Bereich der heimischen Forschungspolitik, sondern auch innerhalb des österreichischen Innovationssystems selbst. Und auch dafür nannte der Wissenschaftsminister harte Zahlen: So haben in Österreich tätige Forscher bisher 171 der angesehenen und gut dotierten Preise des Europäischen Forschungsrats gewonnen. Doch diese offensichtliche Stärke in der Grundlagenforschung führe nicht in gewünschtem Maß zu Ausgründungen aus der Universität: 2015 gab es ganze 19 Spin-offs aus den Unis – die ETH Zürich allein brachte es im Vergleichszeitraum auf rund 70 Firmenausgründungen.

Bausteine einer neuen Strategie

Wie aber können diese Potenziale in Zukunft besser genützt werden? Letztlich war die Tagung ein sanfter, aber ernster Anstoß zu einer aktualisierten Forschungsstrategie, zumal die noch gültige im Jahr 2020 ausläuft.

Einige Bausteine dazu nannten Nowotny und Mittlerlehner in ihren Reden, weitere Anregungen wurden in Diskussionen mit dem Publikum gesammelt. Wichtige Vorschläge könnten aber auch von den Experten der OECD kommen. Denn die Europatagung diente nicht zuletzt auch dazu, dass OECD-Experte Gernot Hutschenreiter die Eckpunkte einer geplanten Ländererhebung für Österreich in Sachen Forschung, Technologie und Innovation vorstellte.

Österreich hat bisher erst zwei solcher Überprüfungen durch die OECD machen lassen, nämlich 1971 und 1988. Beide blieben nicht ohne Wirkung für das heimische Innovationssystem. Die nun geplante Ländererhebung soll im 2. Halbjahr 2018 vorliegen und zur EU-Präsidentschaft präsentiert werden. Bleibt nur zu hoffen, dass es bis dahin auch eine umsetzungswillige und umsetzungsfähige Regierung gibt. (Klaus Taschwer, 13.11.2016)

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