Statuenstreit: Wallnöfers Familie will kein Denkmal

8. November 2016, 16:47
31 Postings

Im Streit um die geplante Aufstellung einer Statue von Tirols Langzeitlandeshauptmann Eduard Wallnöfer hat sich nun die Familie zu Wort gemeldet

Innsbruck – In Tirol gehen seit Tagen die Wogen um die geplante Errichtung eines Denkmals für den ehemaligen Landeshauptmann Eduard Wallnöfer (ÖVP) hoch. Die Volkspartei, allen voran Landeshauptmann Günther Platter, beharrt darauf, die bereits fertige Statue auf dem Platz vor dem Landhaus, der ebenfalls nach dem Geehrten benannt ist, aufzustellen. Der Koalitionspartner, die Grünen, und die Opposition laufen Sturm gegen den Plan. Ist der Platz doch der zentrale Erinnerungsort für die Opfer der NS-Diktatur – und Wallnöfer war ein Mitglied der NSDAP.

Familie meldet sich zu Wort

Nun hat sich auch die Familie Wallnöfers, der 1989 verstorben ist, zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief bittet sie darum, angesichts des großen Gegenwindes, von der Aufstellung auf dem Landhausplatz Abstand zu nehmen: "Deshalb wäre es nun nicht im Sinne des verstorbenen Vaters, eine Statue des Altlandeshauptmannes vor dem Landhaus im Unfrieden und unter massiver Berichterstattung aufzustellen. Die Familien Wallnöfer haben daher das Land Tirol heute gebeten, von den Aufstellungsplänen der Skulptur am Landhausplatz Abstand zu nehmen und einen geeigneten Ort zum geeigneten Zeitpunkt unter Einbezug der Familie zu wählen."

Historiker und Kulturbeirat opponierten

Im Vorfeld hatten bereits Historiker und auch der Kulturbeirat des Landes ihre Bedenken zur Aufstellung angemeldet. Letzterer betonte, dass "eine aufgeklärte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts eine zeitgemäßere und demokratischere Art der Erinnerungskultur pflegt und daher auf bildliche Huldigung oder Heroisierung von Personen verzichtet". Das Aufstellen einer Politikerstatue auf dem Eduard-Wallnöfer-Platz sei deplatziert und unsensibel.

Grüne danken Wallnöfers

Der grüne Klubobmann Gebi Mair bedankte sich in einer ersten Reaktion bei der Familie Wallnöfers für deren Brief: "Ich möchte mich bei der Familie Wallnöfer für das Verständnis und die Weitsicht bedanken." Er sei zuversichtlich, dass ein geeigneter Standort im Zusammenwirken mit der Familie gefunden werde. (Steffen Arora, 8.11.2016)

Share if you care.