Open-Mind-Festival: Von der Kunst, Nein zu sagen

8. November 2016, 16:31
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Alternativen, Auswege, Ablehnung: DasFestival in Salzburg beschäftigt sich heuer mit den Zwängen unserer Zeit

Salzburg – Das Open Mind Festival beschäftigt sich heuer mit der Kunst, Nein zu sagen. Das kann gleichermaßen befreiende Verweigerung und Emanzipation wie Eskapismus sein. Letzterer ist vielfach die vorherrschende Stimmung in der heutigen Gesellschaft, die das einzelne Individuum offenbar wenig bis gar nicht verändern kann.

Alternativen zu suchen kann dennoch ein Schritt in Richtung persönlicher Freiheit sein. Morgen, Donnerstag, startet das Aktionstheater Ensemble mit der Produktion Immersion. Wir verschwinden eine erste poetische Intervention.

Kommenden Montag gastieren in einer Co-Veranstaltung mit der Robert-Jungk-Bibliothek zwei Gesellschaftskritiker beim Open Mind, die die zentrale Frage der Zeit schon im Titel der Diskussion formulieren: Das Ende des Kapitalismus?! Frage- und Ausrufezeichen machen klar, dass die Sache mit dem Kapitalismus nicht so klar ist.

Ende des Kapitalismus?

Der Wiener Publizist Robert Misik fasst in seinem aktuellen Buch Kaputtalismus (Aufbau-Verlag) die derzeitigen Debatten um die Krise unseres Wirtschaftssystems zusammen. Dabei formuliert er auch Fragen, wie es denn nach dem Ende des Kapitalismus eigentlich weitergehen könnte. Misiks Gesprächspartner ist ebenfalls ein Schwergewicht der linken Vortragsszene.

Der kroatische Philosoph Srecko Horvat macht sich in Nach dem Ende der Geschichte (Laika-Verlag) auf die Suche nach einer "echten" Alternative zum neoliberalen Kapitalismus – in Form einer Sammlung von Wortspenden einiger der wichtigsten politischen Intellektuellen der Gegenwart: etwa Tariq Ali, Zygmunt Bauman, Michael Hardt, Slavoj Zizek und Gayatri Spivak.

Horvat geht es dabei auch um ein anderes Europabild: Im Sinne Derridas sollte das "die Tradition der Aufklärung, aber auch das Schuldbewusstsein und die Verantwortung für totalitäre Genozide und koloniale Verbrechen aus der Vergangenheit" gleichermaßen berücksichtigen.

Am vorletzten Open-Mind-Tag (Samstag, 19. 11.) zeigt die englische Publizistin Laurie Penny den Zusammenhang zwischen Neoliberalismus und der reaktionären Geschlechterordnung auf. Die Angry Young Women der Bloggerszene analysiert sie u. a. im Buch Unsagbare Dinge (Edition Nautilus), dazu spricht sie Themen wie Armut, Vorurteile, Onlinedating und Essstörungen, Straßenkämpfe und Fernsehlügen an. (Gerhard Dorfi, 8.11.2016)

10. bis 20.11., Salzburg, ARGEkultur, 20.00. 0662/84 87 84

  • Uraufführung beim Open-Mind-Festival: "Immersion. Wir verschwinden", Aktionstheater Ensemble.
    foto: arge kultur, salzburg

    Uraufführung beim Open-Mind-Festival: "Immersion. Wir verschwinden", Aktionstheater Ensemble.


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