Wie das FBI 650.000 E-Mails in 691.200 Sekunden las

8. November 2016, 15:51
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Geheimdienstmitarbeiter treten Spekulationen über eine Schiebung bei den Ermittlungen zu den Clinton-Mails entgegen

Washington/Wien – Michael Flynn, US-General im Ruhestand, hat nachgerechnet. 650.000 neue E-Mails wollte das FBI am vorvergangenen Wochenende im Zusammenhang mit Hillary Clintons E-Mail-Server untersuchen, erinnerte der Berater von Donald Trump. Acht Tage – die Zeit bis zur Bekanntgabe am Sonntag, dass in diesen E-Mails nichts Strafbares gefunden worden sei – hätten 691.200 Sekunden. "IMPOSSIBLE", lautet seine Einschätzung.

Das fügte sich nicht nur in das Wahlkampffinale der Republikaner, die die angebliche Beeinflussung der Behörde durch die Regierung geißelten – die Rechnung stellte auch viele Beobachter vor Rätsel. Tatsächlich, so zitierte die "New York Times" am Dienstag Quellen aus dem FBI, sei die Grundannahme aber völlig falsch: Zwar seien auf dem Computer des einstigen New Yorker Kongressabgeordneten Anthony Weiner, von dem sich Clinton-Gehilfin Huma Abedin jüngst getrennt hat, 650.000 Mails gefunden worden. Nur ein Bruchteil davon – nämlich einige Tausend – habe aber irgendeinen erkennbaren Bezug zu Clinton gehabt. Und bei deren Durchsuchung sei den Ermittlern schnell klargeworden, dass sich auch diese Zahl in Kürze reduzieren werde: Einen Großteil habe das FBI nämlich schon gekannt, weil es sich um empfangene Mails gehandelt habe, die schon bei der Untersuchung im Frühjahr im Postausgang anderer E-Mail-Systeme gefunden worden waren.

Einkaufslisten, Druckaufträge

Über den genauen Inhalt der wenigen neuen Nachrichten wurde zwar vorerst nichts überliefert, über jenen der nunmehrigen Duplikate ist allerdings einiges bekannt. Eine Nachfrage, die Bürger unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz gestellt hatten, wurde nämlich schon vor Monaten zur Unzufriedenheit der Clinton-Gegner beantwortet: Mehrheitlich seien es routinemäßige Bürounterhaltungen gewesen, etwa terminliche Vereinbarungen, aber auch Einkaufslisten und Aufträge Clintons an Abedin, etwas auszudrucken.

Genau das, nämlich Clintons offensichtliche Schwierigkeiten im Umgang mit den Bürodruckern, war es auch gewesen, was in der ersten Untersuchung im Frühjahr zu einigen Problemen geführt hatte. Denn gerade in den Druckaufträgen Clintons an Abedin waren offenbar einige Dokumente mit heiklem Inhalt gewesen.

Wegen der jüngsten Affäre hatte es Spekulationen über ein Ende der Verbindung zwischen Clinton und Abedin gegeben. Diese schienen sich beim Wahlkampffinale in der Nacht auf Dienstag in Philadelphia nicht zu bestätigen. Dort war die seit einer Woche abwesende Abedin von Reportern erstmals wieder im Wahlkampfjet gesehen worden. (mesc, red, 8.11.2016)

  • James Comey sorgte kurz vor Wahlkampfende für Aufregung.
    foto: apa / afp / getty images / win mcnamee

    James Comey sorgte kurz vor Wahlkampfende für Aufregung.

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