Gefährliche Variante der Vogelgrippe in Vorarlberg aufgetaucht

9. November 2016, 12:51
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Rund um betroffenes Gebiet am Bodensee soll Stallpflicht für Geflügel erlassen werden – Größe der Zone steht noch nicht fest

Bregenz – Im Bodensee-Gebiet ist bei toten Wildvögeln sowohl auf deutscher wie auch auf österreichischer Seite die gefährliche Variante der Vogelgrippe vom Typ H5N8 festgestellt worden. Wie bei den bisher bekannt gewordenen Fällen aus Deutschland handle es sich auch auf österreichischem Gebiet um die hochpathogene Variante, bestätigte Philipp Lindner, Sprecher von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ). Das haben Untersuchungen am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der Ages in Mödling ergeben.

Was "hochpathogen" bedeutet

Laut Ages ist mit den nun bekannten Fällen erstmals seit 2006 wieder ein hochpathogener AI-Virustyp in Österreich aufgetreten. Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich laut Ages auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: Während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Bei einem Ausbruch im Jahr 2006 handelte es sich um den Virus-Typ H5N1, dem schon mehr als 400 Menschen erlagen. H5N8 hingegen gehört nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht zu den Stämmen, die auch bei Menschen schwere Erkrankungen auslösen. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Maßnahmen

Das Land Vorarlberg begegnet dem Ausbruch der Krankheit mit einem Sieben-Punkte-Programm. Darauf haben sich am Mittwochnachmittag das Land und die betroffenen Gemeinden geeinigt, teilte der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) mit.

"Es muss alles unternommen werden, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet", stellte Schwärzler fest. Das Hauptaugenmerk gelte nun dem Schutz des Hausgeflügels und der Geflügel-Betriebe. Nach Angaben des Landesrats wird die Verordnung des Bundesministeriums zur Stallpflicht für Geflügel am Donnerstag schlagend werden. Wie groß die Schutzzone sein wird, wusste Schwärzler vorerst nicht, er rechnete aber mit einem zwei bis drei Kilometer breiten Gürtel entlang des Bodenseeufers. Wichtig sei überdies – auch außerhalb der Schutzzone – im Nahbereich von Gewässern den Kontakt von Geflügel mit Wasservögeln zu vermeiden.

Um das Einsammeln und die Entsorgung der toten Wasservögel werden sich die Kommunen kümmern, sagte Schwärzler. Das sei mit den Gemeinden so abgesprochen. Entsprechende Vorkehrungen würden bei den Bauhöfen und der Feuerwehr getroffen. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) wies darauf hin, dass der H5N8-Virus für den Menschen zwar keine Gefahr darstelle, trotzdem seien nach dem Kontakt mit toten Vögeln Schutzmaßnahmen – Kleidungswechsel, etc. – zu ergreifen. Deshalb gelte für Hunde Leinenzwang.

Fälle in Polen, Ungarn und Norddeutschland

Nach Schätzung des deutschen Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart sind am gesamten Bodensee bisher 70 bis 80 tote Vögel gefunden worden. Die Zahl beinhalte auch Funde in Österreich und der Schweiz, sagte eine Sprecherin der Behörde. Auf baden-württembergischer Seite geht das Ministerium von 30 bis 35 Tierkadavern aus.

Auch aus Polen, Ungarn, Kroatien und Schleswig-Holstein wurden diese Woche Fälle der sogenannten aviären Influenza des Subtyps H5N8 gemeldet. Unter anderem haben die ungarischen Behörden in einer Geflügelfarm im südostungarischen Ort Totkomlos 9.000 Truthähne getötet. Die Tiere seien ebenfalls am Virus vom Typ H5N8 erkrankt gewesen. Das gehäufte Auffinden dieser Erkrankung dürfte mit dem Zug von Wildvögeln Richtung Süden zu tun haben, schrieb die Ages. (APA, 9.11.2016)

  • Dieser Entenkadaver wurde im Hafenbecken von Überlingen (Baden-Württemberg) am Bodensee gefunden.
    foto: apa/dpa

    Dieser Entenkadaver wurde im Hafenbecken von Überlingen (Baden-Württemberg) am Bodensee gefunden.

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