Uno meldet heißeste fünf Jahre seit Aufzeichnungsbeginn

8. November 2016, 11:35
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Studie am Rand der Klimakonferenz präsentiert – Extreme Wetterereignisse töteten seit 1996 tausende Menschen

Marrakesch – Die vergangenen fünf Jahre waren nach Angaben von UN-Experten die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Zeit von 2011 bis 2015 sei eine "Periode der Extreme" gewesen, sagte Omar Baddour von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Dienstag bei der Vorstellung einer neuen Studie am Rande der Klimakonferenz im marokkanischen Marrakesch. 2015 war zudem das heißeste Jahr bisher.

Die WMO mit Sitz in der Schweiz beobachtet das globale Wetter seit den 1950er-Jahren. Eine Vorläuferorganisation tat dies bereits seit 1873.

Einzelne Wetterextreme wie Dürren oder Starkregen lassen sich zudem laut WMO immer deutlicher auf die Erderwärmung zurückführen. Von 79 Studien, die zwischen 2011 und 2014 von einem amerikanischen Fachmagazin veröffentlicht wurden, stellte mehr als die Hälfte fest, dass der Klimawandel die untersuchten Ereignisse mitverursacht hat.

Einige Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen um das Zehnfache oder mehr angestiegen ist. Als Beispiele wurden unter anderem heiße Sommer des Jahres 2013 in Westeuropa und Hitzewellen im Frühjahr und Herbst 2014 in Australien genannt.

Hunderttausende starben in zwei Jahrzehnten

In Marokko sind wenige Tage nach Inkrafttreten des Pariser Weltklimavertrags Vertreter von fast 200 Ländern und NGOs für zwei Wochen zusammengekommen, um neben der Verhandlung der genauen Ausgestaltung des Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung jüngste Forschungserkenntnisse zu evaluieren.

So stellte die Umweltorganisation Germanwatch am Dienstag ihren jährlichen Bericht vor, der sich vor allem auf Daten des Rückversicherers Munich Re stützt. Weltweit starben demnach zwischen 1996 und 2015 beinahe 530.000 Menschen durch extreme Wetterereignisse.

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Verluste beliefen sich auf knapp 3,1 Billionen US-Dollar (etwa 2,8 Billionen Euro). Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Erdrutsche oder Hitzewellen treffen vor allem Entwicklungsländer, heißt es in dem Bericht. In den vergangenen zwanzig Jahren litten darunter insbesondere das zentralamerikanische Land Honduras, das südostasiatische Myanmar und die Karibikinsel Haiti. Das geht aus dem aktuellen Globalen Klima-Risiko-Index hervor.

Österreich liegt dem Report zufolge auf Platz 50 mit einem deutlich geringeren Risiko als Deutschland (Platz 23) und der Schweiz (Rang 40). Demnach kam statistisch gesehen alle drei Jahre in Österreich ein Mensch pro 100.000 Einwohner durch ein extremes Wetterereignis ums Leben. Pro Jahr gab es seit 1996 etwas mehr als eine halbe Million US-Dollar Schäden (527.842 Dollar oder 477.167 Euro). Das entsprach einer jährlichen Belastung des Bruttoinlandsprodukts mit 0,167 Prozent.

Deutschland war im gleichen Zeitraum mit einer Schadenssumme von knapp 3,6 Milliarden US-Dollar (ungefähr 3,26 Milliarden Euro) pro Jahr nach Frankreich und Portugal die am drittstärksten betroffene Industrienation.

Auch Japan ratifizierte Vertrag

Der Weltklimavertrag sieht vor, den Anstieg der Erderwärmung auf maximal zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen und so Wetterextreme zu verhindern. China und die USA hatten als die beiden größten Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid im September das Abkommen ratifiziert. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem 1997 geschlossenen Kyoto-Protokoll, ist das Abkommen nicht bindend: Es bleibt jedem Staat selbst überlassen, seine Zusagen einzuhalten.

Nach monatelangem Ringen hatte sich die deutsche Regierung auf einen Klimaschutzplan geeinigt, den Umweltministerin Barbara Hendricks kommende Woche in Marrakesch präsentieren will. Er soll am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Zuletzt billigte am Dienstag auch Japan das Abkommen. Das Land wolle eine führende Rolle bei Vereinbarungen spielen, die zur Transparenz bei der Emissionssenkung jedes Landes beitrügen, sagte der Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag. Experten gehen aber davon aus, dass die späte Ratifizierung des Pakts den Einfluss Japans auf der Klimakonferenz in Marrakesch ausbremsen könnte. (APA, Reuters, 8.11.2016)

  • Vor dem Eingang des Cop-22-Zentrums in Marrakesch.
    foto: ap photo/mosa'ab elshamy

    Vor dem Eingang des Cop-22-Zentrums in Marrakesch.

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