Bau und Transport sorgen für Anstieg der Firmenpleiten

7. November 2016, 15:19
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Erstmals seit fünf Jahren steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen, Privatkonkurse sind dagegen auf dem tiefsten Stand seit 2007

Wien – Die Zahlen der Creditreform-Insolvenzstatistik zeigen 2016 einen Anstieg der Unternehmenskonkurse in Österreich: In den ersten neun Monaten wurden 4.182 Insolvenzen gemeldet, was einem Plus von vier Prozent im Vorjahrsvergleich entspricht. Auch die Zahl der eröffneten Verfahren ist um fünf Prozent gestiegen. In 1.677 Fällen wurden die Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen.

Die Konjunkturbranchen Bau- und Transportwesen verzeichneten die höchsten Insolvenzquoten mit rund 32 beziehungsweise 26 Pleiten je 1.000 Branchenunternehmen. Die Gesamtzahl der Konkursverfahren im Transportwesen ging im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht zurück. Den höchsten Zuwachs an Verfahren hatte das Kredit- und Versicherungswesen mit einem Plus von 16 Prozent. Die Quartalszahlen der Sachgütererzeugung und der Tourismusbranche zeichnen sich hingegen positiv ab, beide melden einen Konkursrückgang von 13 beziehungsweise neun Prozent.

Insgesamt 14.000 Arbeitsplätze von Pleiten betroffen

Die Höhe der Insolvenzverbindlichkeiten beläuft sich in den ersten drei Quartalen auf rund zwei Milliarden Euro. Insgesamt waren 14.000 Arbeitsplätze von Firmenpleiten betroffen. Laut der Statistik liegen die Insolvenzursachen hauptsächlich in kaufmännischen Fehlern der Geschäftsführung, in der allgemeinen Wirtschaftslage und im verstärkten Konkurrenzkampf. Vor allem bei Klein- und Kleinstunternehmen, die einen Großteil der Insolvenzverfahren ausmachen, fehlen beim Wegfall einzelner Großkunden die notwendigen Rücklagen, um den Zahlungsausfall zu decken.

Wien verzeichnete mit 17 Verfahren pro 1.000 Unternehmen die höchste Konkursquote des Landes. Vorarlberg und Salzburg hatten den größten Zuwachs an Insolvenzverfahren im Vorjahresvergleich. Ein Insolvenzrückgang machte sich entgegen dem Trend in der Steiermark (minus neun Prozent), in Niederösterreich (minus sieben Prozent) und Kärnten (minus fünf Prozent) bemerkbar. Die Zahl der Firmenpleiten war in Österreich in den vergangenen fünf Jahren stetig zurückgegangen, 2016 wird diesen Trend brechen: Für das Gesamtjahr wird ein weiterer Zuwachs auf rund 5.600 Insolvenzen erwartet.

Privatkonkurse auf Tiefststand

Die Zahl der Privatkonkurse ist hingegen auf dem niedrigsten Stand seit 2007. Die Verfahrenszahl ging um fünf Prozent auf 7.056 Fälle zurück, auch die Zahl an eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist gesunken. Die mangels Vermögens abgewiesenen Insolvenzanträge verzeichneten hingegen einen Zuwachs von vier Prozent. Die Durchschnittsverschuldung der Betroffenen liegt laut Schuldnerberatern bei rund 75.000 Euro.

Im Bundesländervergleich ist die Insolvenzquote in Wien am höchsten, gefolgt von Vorarlberg. Österreichweit sind elf von 10.000 Erwachsenen entweder zahlungsunfähig oder überschuldet. (lauf, 7.11.2016)

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