Bodenknappheit lässt Wohnungspreise in Vorarlberg ansteigen

7. November 2016, 15:52
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Sogar die Immobilienhändler machen sich in Vorarlberg Sorgen über hohe Wohnungspreise. Sie fordern bessere Raumplanung und ein Ländermietrecht

Bregenz – Wohnen wird in Vorarlberg immer teurer. Durchschnittlich gibt ein Haushalt monatlich für Wohnen und Energie 823 Euro aus. Die Mietkosten auf dem privaten Markt reichen von acht Euro pro Quadratmeter im Altbau bis 14 Euro in Bestlage.

Neue Eigentumswohnungen kosten zwischen 4.200 und 4.500 Euro pro Quadratmeter. "In Standardqualität – Spitzenqualität hat natürlich einen höheren Preis", sagt Günther Ammann, Immobiliensprecher der Wirtschaftskammer. Für Spitzenqualität in Seelagen müsse man mit 6.000 Euro pro Quadratmeter und mehr rechnen. Verglichen mit Bestlagen im 200-Kilometer-Radius befinde man sich damit aber im Mittelfeld.

Gefährliche Entwicklung

Ammann und seine Kollegen von der Immobilieninnung warnten am Montag bei einer Pressekonferenz vor "gefährlichen Entwicklungen" auf dem Vorarlberger Markt. Die steigende Nachfrage könne nicht mehr erfüllt werden, die Preise würden dadurch in die Höhe getrieben. Die Gründe für die Nachfrage sieht Ammann in Bevölkerungswachstum durch die positive wirtschaftliche Entwicklung. Grundstücksspekulation nennen die Händler erst auf Nachfrage als Preistreiber. Seit einigen Jahren kaufen einzelne Industrielle Grundstücke im großen Stil. Ammann: "Das reduziert natürlich das Angebot, Grundstücke sind für den gewerblichen Wohnungsbau nicht mehr verfügbar."

Was den Bebauungsdruck auf Grünflächen in den Städten verstärkt. So werden in Bregenz und Dornbirn historische Villen abgerissen, um Platz für Wohnungen in Bestlage zu schaffen.

Raumplanung verbessern

Die Immobilienhändler sehen die Lösung in landesweiter Raumplanung, die dichtere Verbauungen ermöglichen sollte, und in einer Verländerung des Mietrechts. Mietzinsrichtwerte, die sich an Wiener Verhältnissen orientieren, seien für Vorarlberg nicht realistisch. Leerstand lasse sich wegen eines Mietrechtsgesetzes, das sich an Wiener Verhältnissen orientiere, kaum mobilisieren.

Ambros Hiller, Ammanns stellvertretender Berufsgruppenobmann der Makler, sieht den Ball bei der Politik. Bauland müsse mobilisiert werden, die Innung könne sich durchaus Baugebote für gewidmete Flächen vorstellen. Hiller sieht das Bodenseegebiet nicht als Refugium für betuchte Pensionisten aus Deutschland. Dieses Gerücht bewahrheite sich in der Praxis nicht. Die Käufer im obersten Preissegment kämen durchaus aus dem Land, es handle sich im Hausbesitzer, die im Alter ihre zu groß gewordenen Häuser verkaufen.

20 bis 30 Prozent der neuen Eigentumswohnungen würden von Investoren angekauft. Ob die Wohnungen dann vermietet werden, hänge nicht zuletzt vom Miet- und Steuerrecht ab. Aktuell werfe die Vermietung wegen hoher Abgaben keine Rendite ab, sagen die Makler.

Erste Low-Budget-Anlagen

Szenenwechsel: Im sozialen Wohnbau werden die ersten Low-Budget-Häuser der Aktion Wohnen 500 errichtet. Die gemeinnützige Vogewosi errichtet in Mäder (Bezirk Feldkirch) die erste Anlage mit Wohnungen, die bei einer Größe von 65 Quadratmeter nicht mehr als 500 Euro Miete kosten sollen. Die 20 Wohnungen werden aus vorgefertigten Holzmodulen aus dem Bregenzerwald gebaut. Die Module werden Mitte November aufgestellt, vier Wochen später sollen die ersten Mieter einziehen. (Jutta Berger, 7.11.2016)

  • Holzmodule senken die Mieten im gemeinnützigen Wohnbau.
    foto: vogewosi

    Holzmodule senken die Mieten im gemeinnützigen Wohnbau.

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