Großunternehmer für Weltkonjunktur pessimistisch

7. November 2016, 13:38
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Jeder Vierte rechnet kurzfristig mit Verschlechterung – 57 Prozent planen Zukäufe

Wien – Die Manager internationaler Großunternehmen sind deutlich pessimistischer als noch vor einem halben Jahr: Derzeit rechnet jeder Vierte kurzfristig mit einer Verschlechterung der Weltkonjunktur, wie aus dem "Capital Confidence Barometer" des Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Im vergangenen April teilte diese Einschätzung nur jeder Siebente. Weltweit wurden 1.700 Führungskräfte befragt.

Auf die Stimmung drücken der Untersuchung zufolge vor allem die politische Instabilität im eigenen Land (29 Prozent) sowie Währungsschwankungen und sprunghafte Rohstoffpreise (32 Prozent). Nur 7 bzw. 5 Prozent sehen im Wachstumseinbruch in China oder dem geplanten EU-Ausstieg der Briten (Brexit) ihr Hauptproblem.

"Gerade exportstarke Industrien sind von stabilen und verlässlichen Märkten abhängig und schauen deshalb mit Sorge auf die weltweiten Entwicklungen", so Eva-Maria Berchtold von EY Österreich. Die politische Unsicherheit in wichtigen Märkten wie USA, Russland oder der gesamten EU, die deutliche Wachstumsdelle in China und das generell extrem volatile Umfeld verunsicherten die Unternehmer.

Großbritannien abgeschlagen

Großbritannien gehört jedenfalls nicht mehr zu den Top-5-Investitionszielen großer Konzerne – hier sind die USA mit großem Abstand führend. Dahinter folgen laut aktueller EY-Umfrage China, Deutschland, Kanada und Frankreich.

Der britische Markt sei auch von der allgemein zu beobachtenden Entwicklung verstärkter Zukäufe ausgenommen. "Die Unsicherheit ist groß – keiner weiß genau, wie die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU und damit auch der Marktzugang geregelt werden", analysierte Berchtold. Dementsprechend groß sei die Zurückhaltung der Unternehmen mit Investitionen in Großbritannien.

Generell wollten 57 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten Übernahmen forcieren – im Frühjahr waren es nur 50 Prozent. "Die Unternehmen machen sich aufgrund der zunehmenden Digitalisierung ganzer Branchen und angesichts eines volatilen konjunkturellen Umfelds derzeit verstärkt Gedanken über ihr Portfolio und stellen sich für die Zukunft auf", erklärt Berchtold. Einzelne Geschäftsbereiche würden zugekauft oder abgestoßen.

Der Anteil großvolumiger Mergers & Acquisitions zwischen 250 Mio. und 1 Mrd. Dollar nimmt laut EY zu: Weltweit plane jedes dritte Unternehmen einen Deal in dieser Größenordnung, vor einem halben Jahr war es nur jedes fünfte. Doch nur noch 3 Prozent hätten angegeben, Megadeals von mehr als 1 Mrd. Dollar zu planen (Frühjahr: 6 Prozent).

Die anhaltend niedrigen Zinsen erleichterten die Finanzierung der Deals. "Insofern dürften wir auch weiterhin zahlreiche M&A-Transaktionen sehen." (APA, 7.11.2016)

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