Leipziger Understatement: Noch kein Spitzenteam

7. November 2016, 13:29
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Aufsteiger nach zehn Runden ungeschlagen und punktegleich mit Bayern – Am 18. November winkt die Tabellenführung – Schöpf Matchwinner für Schalke

Leipzig/Gelsenkirchen – RB Leipzig fühlt sich noch nicht als Spitzenmannschaft der deutschen Bundesliga. Auch nicht, nachdem der Red-Bull-Ableger 389 Wochen und fünf Tage nach der Vereinsgründung sogar punktgleich mit Titelverteidiger und Tabellenführer Bayern München ist. Eine Aussage von Trainer Ralph Hasenhüttl dürfte der Konkurrenz aber noch mehr Sorge bereiten als die bisherigen Auftritte.

Nach der Länderspielpause reicht am 18. November schon ein Remis bei Bayer Leverkusen, um den rasanten Aufstieg des am 19. Mai 2009 gegründeten Klubs von der Oberliga auf den ersten Platz der Bundesliga zumindest für etwas mehr als einen Tag zu schaffen. Die Bayern spielen erst tags drauf bei Borussia Dortmund.

"Ich glaube, dass wir noch lange nicht so spielen wie eine Spitzenmannschaft", sagte Hasenhüttl nach dem 3:1 gegen den phasenweise bemitleidenswerten Europa-League-Teilnehmer Mainz am Sonntag. Es war der fünfte Leipziger Sieg in Serie, das zehnte Spiel ohne Niederlage in der ersten Bundesliga-Saison.

Spaß

Die Protagonisten sind selbst beeindruckt. "Die ersten Minuten waren unglaublich. Wir sind schnell in Führung gegangen, haben offensiv teilweise wie aus einem Guss gespielt und defensiv nichts zugelassen. So ist es auf einmal 3:0 gestanden", sagte Stefan Ilsanker, der so wie ÖFB-Teamkollege Marcel Sabitzer Stammspieler ist. Diesmal kam der Salzburger aber auf ungewohnter Position rechts in der Abwehr zum Einsatz. "Es ist eine Herausforderung, die habe ich angenommen, genauso wie wenn ich Innenverteidiger spiele oder auf der Sechs. Ich will überall eine gute Leistung bringen", erklärte der Allrounder. "Es macht im Moment sehr viel Spaß zu kicken", meinte Sabitzer.

Von den bisher zehn Gegnern konnte sich noch keiner auf die mitreißende Spielweise der Leipziger einstellen. Zu flexibel stellt Hasenhüttl seinen Kader ein und die ersten elf auf. Als zu stark erwiesen sich für die Kontrahenten oft auch die eingewechselten Spieler.

Und sie sind bei ihrem Lernprozess offensichtlich noch lange nicht am Ende. Ein Aufsteiger und Neuling, der die Maßstäbe verschiebt. Hasenhüttl will für alles mit seiner Mannschaft Lösungen finden. "Wir sind natürlich sehr kritisch. Wir sind sehr auf optimales Lösen aller Probleme bedacht. Es funktioniert aber nicht immer", sagte er nach dem Mainz-Spiel mit dem Gegentor in der Schlussviertelstunde.

Dass er gegen Mainz nach einer enorm starken ersten Hälfte am Ende nicht beruhigt auf der Bank das Geschehen verfolgen konnte, wurmte den 49-Jährigen auf der Suche nach Perfektionismus dann auch ein wenig. Man hätte erst sicher sein können, "wenn wir das vierte oder fünfte (Tor) hinterherlegen".

Schöpfs Selbstvertrauen

Während es in Leipzig von Beginn an lief, kam Schalke 04 nur sehr langsam in Tritt, ließ sich aber trotz des miserablen Saisonstarts mit fünf Niederlagen unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl nicht aus der Bahn werfen. Immerhin zeigt die Formkurve nach oben. Das 3:1 am Sonntag gegen Werder Bremen war das siebente Pflichtspiel ohne Niederlage. "Das ist eine tolle Serie. So wollen wir weitermachen. Wir haben in der Bundesliga nun den Anschluss ans Mittelfeld gefunden. Aber damit sind wir noch nicht zufrieden. Wir haben bis zur Winterpause noch sechs weitere Spiele, um Punkte gutzumachen", erklärte Weinzierl.

Matchwinner war Alessandro Schöpf, der nach seinem Doppelpack (35., 63.) so wie Ilsanker und Sabitzer mit viel Selbstvertrauen ins Teamcamp einrückt. "Es ist ein sehr schönes Gefühl, zu Hause drei Punkte eingefahren zu haben. Wir sind alle froh. Ich persönlich bin natürlich glücklich, dass ich zwei Tore zum Sieg beitragen konnte", sagte Schöpf. (APA, 7.11.2016)

  • Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl sieht noch viel Luft nach oben.
    foto: ap/macdougall

    Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl sieht noch viel Luft nach oben.

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