VW-Skandal: Staatsanwalt bestätigt Ermittlungen gegen Pötsch

7. November 2016, 14:58
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Sprecher: Bei Ermittlungen ergab sich Anfangsverdacht – VW könnte bewusst verspätet über die finanziellen Folgen millionenfacher Abgasmanipulation informiert haben

Wolfsburg/Hamburg – In der Abgasaffäre bei Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen wegen Marktmanipulation gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch bestätigt. Der Anfangsverdacht habe sich bei den Ermittlungen ergeben, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Montag.

Die Behörde geht bereits seit Sommer dem Verdacht nach, dass Volkswagen möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen millionenfacher Abgasmanipulation informierte. Nach einer Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin ermitteln die Strafverfolger bereits gegen VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren VW-Chef Martin Winterkorn.

Damals hatte die Behörde noch ausdrücklich betont, dass Pötsch nicht im Visier sei. Die nun eingeleiteten Ermittlungen gegen den gebürtigen Österreicher Pötsch begründete Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe mit dem Ergebnis der Ermittlungen: "Das hat sich erst aktuell ergeben." Worauf sich der Verdacht gründet, sagte er nicht.

Wettbewerbsfähigkeit steigern

Volkswagen muss laut Markenchef Diess seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. "In der aktuellen Verfassung ist Volkswagen nicht zukunftsfähig", sagte Diess den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Ohne den Konzern mit seinen anderen Marken wäre die Marke Volkswagen derzeit in einer aussichtslosen Situation."

Die laufenden Verhandlungen über einen Zukunftspakt, der VW fit machen soll für den Umbruch im Autogeschäft, liefen inzwischen "sehr konstruktiv", sagte Diess. Es werde keine Kündigungen geben. Dennoch werde die Mitarbeiterzahl im Jahr 2020 wahrscheinlich "niedriger sein als heute".

Investitionen

Betriebsrat und Management stecken derzeit im Rahmen des Zukunftspaktes die Konzernstrategie der nächsten Jahre ab. Da VW sparen muss, geht es um die Frage, wie das Unternehmen trotz der Milliardenbelastungen durch die Dieselaffäre auch in Zukunft noch Geld in Zukunftstechnologien wie Elektroautos investieren kann.

Um die Internetkonzerne auf Distanz zu halten, muss die Autoindustrie nach Überzeugung des VW-Markenchefs schneller werden. "Wenn Google und Co auch noch den direkten Draht zum Autofahrer besetzen, dann machen die das Geschäft mit dem Auto", warnte Diess. "Wir haben vielleicht noch ein bis zwei Jahre, um diese Schnittstelle selbst zu besetzen."

Volkswagen müsse die im Auto anfallenden Daten selbst unter Kontrolle behalten, betonte Diess. "Wir werden uns und unsere Kunden nicht anderen ausliefern." (APA, 7.11.2016)

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