Österreicher sind ärmer als vor zehn Jahren

7. November 2016, 12:35
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Hierzulande geht es den Menschen zwar weiterhin so gut wie kaum sonst wo. Der Trend ist aber alarmierend, sagen Statistiker

Wien – Der durchschnittliche Österreicher hatte im Vorjahr weniger Geld zur Verfügung als noch 2006. Die schwächere Entwicklung der Wirtschaft, Probleme auf dem Arbeitsmarkt und die Nachwehen der Finanzkrise haben dafür gesorgt, dass der materielle Lebensstandard in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen ist. Im Schnitt war das Einkommen nach Steuern und Transfers im Vorjahr um 1,3 Prozent niedriger als 2006.

foto: reuters / foeger
Das jährliche Einkommen des durchschnittlichen Österreichers ist etwas gesunken.

Das geht aus einer Auswertung der Statistik Austria hervor, die am Montag präsentiert wurde. Zum vierten Mal veröffentlichte die Behörde 30 Indikatoren zum Thema "Wie geht's Österreich?". Das Resümee: Noch geht es den Österreichern gut, der Lebensstandard ist im EU-Vergleich nach wie vor sehr hoch. Die Dynamik sei das Problem, sagt Chefstatistiker Konrad Pesendorfer.

Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetze, werde man die hohe Zufriedenheit der Menschen mit der eigenen Lebenssituation nicht halten können, sagt Pesendorfer. Der durchschnittliche Österreicher gibt seine Zufriedenheit mit dem Leben auf einer Skala von null bis zehn mit 7,9 an. Der Wert ist konstant, der EU-Schnitt liegt bei 7,1.

Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch zur Vielzahl an Protestwählern im Land. Auch die Anhänger von Rechtspopulisten sind in vielen Ländern tendenziell eher mit der Entwicklung ihres Landes unzufrieden als mit ihrer eigenen finanziellen Situation.

foto: apa/dpa-zentralbild/jan woitas
Die Kohlendioxidemissionen sinken trotz wachsender Wirtschaftsleistung.

Ökologisch gesehen ist das Urteil der Statistikbehörde gemischt. Zwar geht die Emission von Treibhausgasen seit Jahren zurück, Firmen und Haushalte verbrauchen im EU-Schnitt aber sehr viel Energie, etwa für Heizen, Verkehr und Bau. Nur in Schweden, Finnland und Luxemburg wird pro Kopf noch mehr Energie verbraucht.

Auch beim Verbrauch an Materialien liegt Österreich unter den 28 EU-Ländern auf dem viertletzten Platz. Unter dem Strich ist er in den vergangenen 20 Jahren aber nur noch leicht gestiegen. Der hohe Wohlstand der Menschen gehe mit einem "tiefen Schnitt" in die Ressourcen des Landes einher, sagt Pesendorfer.

Ein Problem sei auch die immer stärkere Verbauung des Landes. In den vergangenen Jahren wurden pro Tag im Schnitt 16,3 Hektar zusätzlich in Anspruch genommen. In Deutschland war es nur die Hälfte. (sat, 7.11.2016)

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