Austro-Demokraten: Pragmatismus statt "Hope" und "Change"

7. November 2016, 17:30
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Die Wiener Filiale der Democrats Abroad fiebert dem US-Wahltag entgegen. Der Enthusiasmus von 2008 ist Pragmatismus gewichen

Nicht nur in Vienna, Virginia richten sich am Dienstag alle Augen auf den Showdown zwischen Hillary Clinton und Donald Trump um die US-Präsidentschaft, sondern auch in der österreichischen Hauptstadt. Vor allem die austro-amerikanischen Unterstützer der ehemaligen Außenministerin fiebern dem Wahltag entgegen, wie ein Besuch des STANDARD bei der Außenstelle der Democrats Abroad in Wien zeigt.

Während man vor acht Jahren noch enthusiastisch für "Hope", "Change" und Barack Obama auf die Straßen zog, überwiegt heute Pragmatismus. "Ich bin hoffnungsvoll, aber nicht optimistisch", sagt Ashley Arreola (33). "Die USA haben ihre politische und moralische Seele verloren. Der Zustand wird sich noch deutlich verschlechtern, bevor es wieder besser wird." Mit dieser Einschätzung steht Arreola, die vor neun Jahren zum Studium aus dem US-Bundesstaat Indiana nach Wien kam und nun für eine Studentenaustausch-Organisation arbeitet, nicht allein da.

foto: epa/florian schuh
Die US-Demokraten hoffen auf viele Auslandswähler.

Zehn Prozent

7.842 US-Amerikaner lebten laut Statistik Austria mit Stichtag 1. Jänner in Österreich, wie viele davon wahlberechtigt sind, ist nicht bekannt. Erfahrungsgemäß nutzt rund jeder zehnte US-Bürger im Ausland sein Wahlrecht. Von den 6,7 Millionen "Expats" im wahlfähigen Alter wählten 2012 knapp 600.000, 278.212 davon nach Angaben der staatlichen Wahlbehörde per Briefwahl. Wie viele in die USA gereist sind, um dort zu wählen, ist nicht überprüfbar.

Die Democrats Abroad als Auslandsorganisation der US-Demokraten zählen nach eigenen Angaben 130.000 Mitglieder in 190 Ländern, seit zwölf Jahren weht ihre Fahne auch in Österreich. Zu Thanksgiving und zum 4. Juli, dem US-Nationalfeiertag, treffen sich die Mitglieder, neben Wien gibt es auch in Salzburg und Graz regelmäßig Treffen, sogenannte Meet-ups. Die Democrats Abroad seien wie eine Familie fernab der Heimat, sagt Arreola. Warum sie sich engagiert? "Wenn man schon dem Staat Steuern zahlen muss, dann möchte man dort auch einen Einfluss haben." Darüber, wie viele Demokraten-Anhänger es in Österreich gibt, erhält man hingegen keine Auskunft.

Demokratische Hochburg

Während die Auslandsamerikaner nach Ansicht von Experten entscheidend zum Sieg des Republikaners George W. Bush im Jahr 2000 beitrugen, gelten sie heute als stramm demokratisch. In Deutschland zählen die Democrats Abroad rund 8.000 Mitglieder, während das Pendant Republicans Overseas nur auf 1.000 Anhänger kommt.

Im Gegensatz zu den Republikanern mischen die Demokraten im Ausland auch bei der Kandidatenkür zur Präsidentenwahl mit. Seit 1976 halten sie eigene Vorwahlen ab und entsendet aktuell 21 Delegierte zu den Parteikonventen. "Manchmal sagt man im Scherz, dass wir der 51. Staat sind", sagt Arreola. In Wien stimmte man im März im Café Museum am Karlsplatz über die Bewerber Clinton und Bernie Sanders ab – mit überraschendem Ergebnis: Neben den acht formal ungebundenen Superdelegierten wurden neun Delegierte im Namen des linken Senators Sanders zur Europavorwahl nach Berlin entsandt, nur vier für die ehemalige Außenministerin.

"Seit der Wahl 2012 gibt es einen 70-prozentigen Anstieg bei der Wahlbeteiligung im Ausland", schätzt der österreichische Democrats-Abroad-Vorsitzende Keith Jacomine (60), ein pensionierter Banker aus Louisiana, der nach Aufenthalten in Ungarn und Rumänien seit fünf Jahren in Wien lebt. "Diesmal werden viele Amerikaner im Ausland zur Wahl gehen, die es früher nicht für nötig gehalten haben." (Anja Malenšek, Florian Niederndorfer, 7.11.2016)

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