Trainer Büskens und Sportvorstand Müller beurlaubt

7. November 2016, 10:23
2028 Postings

Präsident Michael Krammer wählte die "Paketlösung". Anspruch und Wirklichkeit klafften auseinander. Den "göttlichen Funken" hat im Fußball niemand

Wien – Es ist Michael Krammer natürlich "nicht leichtgefallen", aber Rapids Präsident hat dringenden Handlungsbedarf gesehen. Da war der quälende Blick auf die miesen Ergebnisse, auf die niemals lügende Tabelle. Und da war die Erkenntnis, dass Anspruch und Wirklichkeit einander im neuen Allianz-Stadion nicht einmal gestreift haben. Am Sonntag wurde gegen den WAC 0:1 verloren, das berühmte Fass ist sozusagen übergelaufen. Am Montag um 10 Uhr wurden Sportvorstand Andreas Müller (53) und Trainer Mike Büskens (48) von Krammer (56) über ihre Beurlaubung informiert. Das Präsidium hatte das einstimmig beschlossen. Beurlaubung ist das hübschere Wort für Entlassung.

Um zwölf Uhr stellte sich Krammer den Medien, er absolvierte den Termin relativ souverän, versuchte das Chaos, das bei Rapid eingezogen ist, zu relativieren. Interimistisch leitet Assistent Thomas Hickersberger das Training, für ein paar Tage. Der neue Mann soll noch diese Woche präsentiert werden. Für die Besetzung des Vorstands lässt man sich Zeit, was irritiert. Denn er ist ja der Vorgesetzte des Trainers und sollte diesen auswählen. Rapid engagiert also erst den Untergebenen, vielleicht ist das eine globale Wirtschaftsrevolution.

Krammer sagte, dass die "Paketlösung" alternativlos gewesen sei. Müller (seit Jänner 2014 im Amt) und Büskens wären aneinandergekettet. Der Sportvorstand hat nach der Trennung von Zoran Barisic Büskens ausgesucht und im Juni als perfekte Lösung präsentiert. Man kannte einander aus gemeinsamen Schalker Zeiten. Krammer: "Von der erwarteten Weiterentwicklung war nach nun 25 Pflichtspielen wenig zu erkennen." Er, Krammer, sei auch mit den Analysen nicht zufrieden gewesen, das Gerede von der fehlenden Effizienz sei monoton gewesen. Ob die Trennung von Barisic ein Fehler war? "Möchte ich nicht sagen, aber mit der Weisheit des Rückblicks ist vieles anders."

Alles leistbar

Müllers Vertrag wurde unlängst bis 2019 verlängert, die Trennung kommt also teuer. Krammer: "Rapid steht wirtschaftlich gut da, wir können uns das leisten." Büskens hatte nur einen Einjahresvertrag. Der Präsident bedauerte die Situation. "Am liebsten würden wir mit denselben Leuten zehn Jahre arbeiten und sieben Meistertitel holen." Prinzipiell stehe Rapid für Kontinuität. "Aber der Fußball ist nur zu einem bestimmten Grad planbar, Zufall und Emotionen spielen eine größere Rolle als in der gewöhnlichen Wirtschaft." Es gibt einen Kriterienkatalog für Trainer, der umfasst zwölf Punkte. Einer davon ist, dass der Kandidat in der Rapid-Community ein gewisses Ansehen genießen müsse, also ist zum Beispiel Andreas Ogris auszuschließen. Krammer streitet ab, dass man sich an die Fans anbiedere. Die "Müller raus"-Rufe seien eher ein Grund gewesen, "die Entscheidung zumindest hinauszuzögern".

Es gibt also noch elf weitere Kriterien. Erfahrung, Erfolg, Entwicklung von Talenten, alleinverantwortliches Arbeiten sind weitere Voraussetzungen. Und: "Ehrliche Arbeiter reichen nicht, man braucht auch einen Taktikfuchs, der Varianten draufhat." Prinzipiell sei die Entscheidung schwierig. "Den göttlichen Funken hat niemand." Andreas Herzog passt wohl nicht ins Profil, Dietmar Kühbauer hat maximal Außenseiterchancen, Altachs Damir Canadi könnte Interesse geweckt haben. Sowohl eine inländische als auch eine ausländische Lösung ist denkbar. Krammer: "Wir beteiligen uns nicht an Gerüchten."

Müller wird sich schriftlich äußern, dem STANDARD sagte er: "Ich muss erst meine Gefühle ordnen." Büskens bedankte sich für "die kurze Zeit". Der Neue sitzt erstmals am 20. November auf der Bank, das Auswärtsspiel bei Red Bull Salzburg steht an. Der Präsident schreibt den 33. Meistertitel noch nicht ab. "Erst wenn er rechnerisch nicht mehr möglich ist." (Christian Hackl, 7.11.2016)

Rapid-Trainer seit Juli 2000

Ernst Dokupil:
Juli 2000 bis August 2001

Peter Persidis:
August bis September 2001 (interimistisch)

Lothar Matthäus:
September 2001 bis Mai 2002

Josef Hickersberger:
Juli 2002 bis Ende 2005

Georg Zellhofer:
Jänner 2006 bis Ende August 2006

Peter Pacult:
September 2006 bis April 2011

Zoran Barisic:
April 2011 bis Ende Mai 2011 (interimistisch)

Peter Schöttel:
Juni 2011 bis April 2013

Zoran Barisic:
April 2013 bis Juni 2016

Mike Büskens:
Juni bis Anfang November 2016

  • Die "Paketlösung" muss gehen: Mike Büskens und Andreas Müller.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die "Paketlösung" muss gehen: Mike Büskens und Andreas Müller.

  • Chronologie: die Rapid-Trainer seit Hans Krankl 1989.

    Chronologie: die Rapid-Trainer seit Hans Krankl 1989.

Share if you care.