Kalorien: Warum weniger gesund sein soll

7. November 2016, 09:26
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Eine europäische Forschungskooperation will herausfinden, wie sich eine verringerte Kalorienzufuhr auf molekularer Ebene auswirkt.

Die Menschen werden immer älter. Das ist eine gute Entwicklung. Allerdings nur dann, wenn die gewonnen Lebensjahre in guter Gesundheit verbracht werden können. Ziel von Wissenschaftlern ist es deshalb Biomarker zu finden, die die Anfälligkeit für Krankheiten vorhersagen und gegensteuern zu können.

Eine Forschungskooperation zwischen Fraunhofer-Institut IME ScreeningPort in Hamburg und dem Europäischen Forschungsinstitut für die Biologie des Alterns ERIBA haben sich genau diese Aufgabe gestellt. Ihr Fokus: Kalorienzufuhr.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Verringerung der Kalorienzufuhr die Gesundheit verbessern und die Lebensdauer verlängern kann. Eine Beschränkung der Kalorienzufuhr zeigt ähnlich positive Effekte in Modellorganismen wie Mäusen, Fliegen und Würmern. Und: Eine verringerte Kalorienzufuhr könnte zudem das Krebsrisiko verringern.

Ernährungsempfehlung ohne Basis

Diese Ergebnisse geben Anlass zu der Hoffnung, dass auch die menschliche Gesundheit und Lebensdauer verbessert werden kann. Dazu hat sich bereits ein ganz neuer Markt für Produkte entwickelt. Allerdings gibt es eine Vielzahl von oft gegensätzlichen Ratschlägen, wie Ernährungsstrategien gesundes Altern ermöglichen sollen. Aber bisher ist nicht umfassend aufgeklärt, wie biologische Mechanismen genutzt werden können, um wissenschaftlich fundierte Strategien gegen altersbedingten körperlichen Verfall und damit einhergehende Krankheiten zu entwickeln.

Ziel der Allianz Hamburg-Groningen ist es daher, mögliche zelluläre Angriffspunkte der verringerten Kalorienzufuhr zu entdecken, diese für eine Intervention zu nutzen und Medikamente zu entwickeln, die wie eine Kalorienreduzierung wirken und so das Potenzial zur Krebsbekämpfung haben.

Das erstes gemeinsames Projekt zielt deshalb auf die Identifizierung von kleinen Molekülverbindungen ab, die in ihrer Wirkung mit der einer verringerten Kalorienzufuhr vergleichbar sind. Das Projekt basiert auf der Entdeckung eines genetischen Schalters durch Cornelis Calkhoven und Kollegen vom ERIBA, der bei einer reduzierten Kalorienzufuhr abgeschaltet wird und zu gesundheitlichen Verbesserungen führt.

Zusammen mit Ole Pless vom Fraunhofer IME ScreeningPort hat Calkhoven ein leistungsstarkes Screeningsystem entwickelt, um Medikamente zu finden, die auf diesen Mechanismus abzielen. Pless: "Wir wollen die bekannte Kluft zwischen Grundlagenforschung und deren Übersetzung in die pharmakologische Anwendung überbrücken, insbesondere für altersbedingte Krankheiten." (red/idw, 7.11.2016)

  • Wie wirkt sich reduzierte Kalorienzufuhr auf molekularer Ebene aus: das wollen Forscher herausfinden.
    foto: fotolia

    Wie wirkt sich reduzierte Kalorienzufuhr auf molekularer Ebene aus: das wollen Forscher herausfinden.

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