Kurden: IS setzt in Mossul Senfgas und Sprengstoffdrohnen ein

8. November 2016, 13:19
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Sicherheitsratschef Barzani berichtet von Sprengfallen

Mosul (Mossul) Der irakischen Armee muss sich in der nächsten Phase der Schlacht um Mossullaut einem hochrangigen Vertreter der kurdischen Regionalregierung auf weit härteren Widerstand der Extremistenmiliz IS einstellen. "Wenn bei den IS-Kämpfern die Verzweiflung wächst, ist davon auszugehen, dass sie heftiger kämpfen werden", sagte der Chef des regionalen Sicherheitsrats von Kurdistan, Masrour Barzani.

Bei ihrem Vorstoß auf das Stadtgebiet im Osten Mossuls kämen die irakischen Truppen bisher rasch voran. Im Westen der Großstadt könnte sich die Lage jedoch schwieriger gestalten. Dort gebe es viele enge Gassen, durch die große Militärfahrzeuge nicht hindurchpassten.

"Sie nutzen viele verschiedene Arten von Sprengfallen, die sie an unterschiedlichen Orten anbringen, auch unterschiedliche Taktiken", sagte Barzani mit Blick auf die IS-Kämpfer gegenüber Reuters am Sonntag. So könne eine Sprengfalle ein ganzes Netz weiterer Bomben zur Explosion bringen. "Sie installieren eine Sprengfalle in einem Haus und verstecken sie. Sobald sie explodiert, geht das ganze Viertel in die Luft."

Senfgas und Sprenstoffdrohnen

In der seit drei Wochen anhaltenden Schlacht um Mossul habe der IS bisher mit Sprengstoff beladene Drohnen, mit Chlor und Senfgas gefüllte Artillerie-Granaten sowie Heckenschützen eingesetzt. Es seien Hunderte IS-Kämpfer festgenommen worden, die versucht hätten, sich als irakische Flüchtlinge auszugeben.

Barzani ist Chef der kurdischen Anti-Terror-Einheiten und Geheimdienste im Nordirak und der Sohn von Kurden-Präsident Massoud Barzani. Der heute 47-Jährige schloss sich als Jugendlicher den Peschmerga an, die zu jener Zeit gegen den damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein kämpften.

Selbstmordanschläge

In einem erbitterten Häuserkampf gegen die IS-Miliz haben irakische Spezialkräfte ihre Offensive auf Mosul fortgesetzt. Straße um Straße rückten sie am Wochenende vor und lieferten sich schwere Gefechte mit IS-Kämpfern, wie ein Armeesprecher sagte. Nördlich von Bagdad wurden bei Selbstmordanschlägen am Sonntag mindestens 25 Menschen getötet, der IS bekannte sich dazu.

"Unsere Streitkräfte sind dabei, die Bezirke Al-Samah, Karkukli, Al-Malajeen und Shakak al-Chadra zu befreien", sagte Abdelghani al-Assadi von der Anti-Terror-Einheit CTS der Nachrichtenagentur AFP. In der Vergangenheit hatten die Jihadisten immer wieder ohne nennenswerten Widerstand Ortschaften verlassen, in Mosul jedoch wehren sie sich entschlossen gegen die eintreffenden irakischen Truppen, die aus der Luft von einer US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt werden.

"Der Widerstand ist sehr stark, sie mussten große Verluste erleiden", sagte al-Assadi über die IS-Kämpfer. Die Offensive auf Mosul läuft seit Mitte Oktober. Derzeit werden die Jihadisten im Süden der Stadt von der irakischen Armee und Polizeieinheiten angegriffen und im Osten von den Eliteeinheiten. In Mosul selbst werden über eine Million Zivilisten vermutet – einigen von ihnen gelang aber bereits die Flucht vor den andauernden Kämpfen.

Tausende fliehen

Das irakische Migrationsministerium erklärte am Samstag, in den vergangenen zwei Tagen seien 9.000 Menschen in Empfang genommen worden, die vor den Kämpfen geflohen seien. Insgesamt seien seit Beginn der Großoffensive auf Mosul rund 34.000 Menschen auf der Flucht. Hilfsorganisationen verstärken derzeit ihre Kapazitäten, um auf den erwarteten Ansturm reagieren zu können.

Der 34-jährige Abu Sara berichtete im Flüchtlingslager nahe Chasir in einem von Kurden kontrollierten Gebiet, wie er vor Schüssen, Luftattacken und Granatenangriffen aus seinem Viertel al-Samah floh. "Wir sind viele Kilometer gelaufen und haben nur die Kleidung mitgenommen, die wir am Körper tragen", sagte er. "Den ganzen Weg über haben wir weiße Fahnen geschwenkt." Viele Zivilisten, denen die Flucht aus Mosul gelang, berichten von einem Leben wie in einem Gefängnis unter freiem Himmel.

Weiter südlich, am Eingang von Tikrit sowie in Samarra, sprengten Attentäter am Sonntag mindestens zwei Fahrzeuge in die Luft. Nach Angaben der Behörden wurden mindestens 25 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt. Der IS behauptete, für die Attacken in den Ortschaften nördlich von Bagdad verantwortlich zu sein. Die Miliz sprach von drei Attentätern, zwei von ihnen sollen demnach aus Mosul stammen. (APA, Reuters, AFP, 6.11.2016)

  • Irakischer Scharfschütze im Mossuler Stadtteil Al-Intissar
    foto: apa/afp/odd andersen

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  • Dieser Iraker beringt seine Mutter in Sicherheit
    foto: reuters/thaier al-sudaini

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