"Über meine Leiche": Es kommen Tennisbälle und Erdkröten geflogen

6. November 2016, 17:59
posten

Stefan Hornbachs Stück im Burg-Kasino handelt von der Angst vor dem Tod

Wien – Der Tod steht für einen Neubeginn. So heißt es in Stefan Hornbachs Stück Über meine Leiche. Haha. Hochgradiger Zynismus umgibt einen von einem lebensbedrohlichen Tumor befallenen Twentysomething. Lymphdrüsenkrebs. "Sterben als Chance"? Danke, lieber nicht. Er nicht, jemand anderer vielleicht schon.

Friedrich zieht nach seiner Diagnose wieder heim zur Mutter und blickt von dort neu auf die Welt, die ihm bisher nicht sonderlich freundlich gesinnt war. Die unerwidert gebliebene Zuneigung zu seiner Schulfreundin von einst, Jana, hat ihm schwere Zeiten eingebrockt. Überhaupt hatte Friedrich angesichts vieler Kinderkrankheiten und Sportunfälle schon alle Hände voll zu tun, am Leben zu bleiben. Krebs, um im unsentimentalen Tonfall des Stücks zu bleiben, ist jetzt der Gipfel. Über meine Leiche erzählt von der Relativität des Lebens und davon, wie man unter neuen Voraussetzungen auf dieses blickt.

Voraufführung in Berlin

Der 1986 in Speyer geborene Autor hat mit seinem Erstlingsdrama den Osnabrücker Dramatikerpreis gewonnen und wurde dann sowohl zum Heidelberger Stückemarkt als auch zu den Autorentheatertagen ans Deutsche Theater Berlin eingeladen, wo die Inszenierung Nicolas Charaux' bereits im Juni voraufgeführt wurde.

Charaux bringt die traumwandlerischen "Realitäten" des Textes zum Wirken. Stimmen, die auf Friedrich einreden – seien sie real oder nur fantasiert -, kommen aus einer auf Räder geschnallten Lautsprecherbox. Sie verändern den Klang je nach Position. Merlin Sandmeyer, Tino Hillebrand und Marie-Luise Stockinger im Trainingsanzug sind alle irgendwann einmal Fritz. Oder Jana, die sich ihrerseits mit dem Tod befasst.

Leidenschaftlich singen

Fritz hatte noch nicht viel Zeit, sich im Leben auszuprobieren, und legt gleich mit einer spanischen Canción los. Derweil kommen Dinge Erinnerungen gleich in seine Gedankenwelt hereingeflogen: Kröten, Weintrauben, Tennisbälle. Es ist ein verspielter und dennoch ernster Abend, der den schlimmsten Ängsten beikommt. Rührend und zum Scherzen aufgelegt. (Margarete Affenzeller, 6.11.2016)

Ab 14 Jahren, 13.-15. 11.; 13. und 14. 12.

  • Alle drei sind Friedrich: Tino Hillebrand, Merlin Sandmeyer und Marie-Luise Stockinger (v. li.).
    reinhard m. werner

    Alle drei sind Friedrich: Tino Hillebrand, Merlin Sandmeyer und Marie-Luise Stockinger (v. li.).

Share if you care.