Mit angezogener Handbremse: "Autorevue TV" auf ATV

6. November 2016, 17:18
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Moderatorenprofi Christian Clerici gibt heroisch alles und will sichtlich mehr dürfen, doch das Konzept hat zu wenig Ecken und Kanten

Frech, das aber mit Stil. Rasant. Souverän. Mit feinster Klinge geführter Sprachwitz. Eine Collage, liebevoll handgefertigt von Edelfedern und Meisterfotografen. Jeder, der weiß, dass 4×4 vier (nämlich Räder) ergibt, kennt die "Autorevue". Hunderttausende Leserinnen und Leser warten allmonatlich sehnsüchtig auf das neue Heft, um Daten und Fakten, vor allem aber um alles rund um den Lifestyle gepflegter Automobilität zu erfahren und ein bisschen in benzin- und stromgetriebenen Möglichkeitswelten zu schwelgen.

Was also sollte schon schiefgehen, wenn die Macher dieses Premiummagazins nun auch Fernsehen machen? Schließlich sollte das Medium Bewegtbild ganz gut zum Bewegungsmedium Automobil passen ...

Ja eh. Staffel zwei von "Autorevue TV" auf ATV ist professionell gemacht, gefällig, nett. Aber nicht frech. Im Bemühen um Breitenwirksamkeit ist viel verlorengegangen von dem, was das Printmagazin ausmacht.

Auch wer "Top Gear" auf Österreichisch erwartet, wird enttäuscht. Hintergründiger Spontanschmäh kommt höchstens von Studiogästen wie dem großartigen Martin Puntigam, alle anderen Wuchteln kommen vom Teleprompter. Moderatorenprofi Christian Clerici gibt heroisch alles und will sichtlich mehr dürfen, doch das Konzept hat zu wenig Ecken und Kanten. Da walzt nicht ein böser Hummer alles nieder, sondern da säuselt ein stromlinienoptimiertes E-Mobil politisch korrekt durchs Studio.

Freilich, die Autos sind allesamt cool, schnell und frisch gewaschen, aber was nützt das, wenn man die ganze Zeit mit angezogener Handbremse durch die Sendung schleicht? Vielleicht sollte man sie lösen, bevor man losfährt ... traut euch, ihr könnt es ja! (Gianluca Wallisch, 6.11.2016)

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