WAC schickt Rapid ins Tal der Tränen

6. November 2016, 15:46
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Wolfsberger gewinnen nach einem Treffer von Ex-Rapidler Prosenik 1:0 in Hütteldorf. Grün-Weiß überlegen aber vor dem Tor auffällig ineffizient

Wien – Es hat fast schon Tradition. Am Ende schrien im Allianz Stadion die Fans von der Westtribüne – am Sonntag sind im Sauwetter insgesamt 17.200 erschienen – "Müller raus". Müller heißt Rapids Sportvorstand, Vorname Andreas. Die patschnasse Mannschaft wurde, begleitet von eher abschätzigen Handbewegungen, in die Kabine geschickt. Rapid hat schon wieder ein Fußballspiel verloren, diesmal war der Wolfsberger AC der Täter. Philipp Proseniks Treffer in der 75. Minute brachte die Entscheidung. Als Ex-Rapidler jubelte er nicht: "Denn ich bin nach wie vor Rapid-Fan. Da macht man so etwas nicht." Der Mittelstürmer wurde an den WAC verliehen, allerdings besitzen die Kärntner eine Kaufoption.

Rapid hatte 68 Prozent Ballbesitz, die Torschussbilanz lautete schlussendlich 27:8. Louis Schaub durfte die Mannschaft erstmals als Kapitän anführen, er sollte der beste Spieler werden, Schaub zerriss sich förmlich, um dann festzustellen: "Es ist wie verhext, wir müssen die Köpfe freikriegen." Trainer Mike Büskens hatte ordentlich rotiert, im Vergleich zum 2:2 in der Europa League bei Sassuolo gab es vier Veränderungen. Die Stürmer Matej Jelic und Giorgi Kvilitaia durften beginnen, sie hatten in Italien als Joker getroffen. Das ergab ein 4-4-2-System, und es ergab Druck von Beginn an.

Der WAC beteiligte sich kaum am aktiven Geschehen, er verteidigte halt und hatte vor der Pause interessanterweise die größte Chance durch Gerald Nutz, der aus vier Metern fünf Meter daneben schoss (31.). Rapid drängte, der Wille war ersichtlich, das Können jedoch begrenzt und die Unfähigkeit vor dem Tor fast rührend. Und so kam es zum Verlusttreffer: Mario Sonnleitner foult Peter Tschernegg an der Strafraumgrenze. Daniel Offenbacher tritt zum Freistoß an, rutscht aus, fängt sich wieder, sein Schuss ist eigentlich schwach und zentral, aber gut genug, dass ihn Richard Strebinger nur kurz wegschlagen kann. Und Prosenik staubt äußerlich freudlos ab.

WAC-Trainer Heimo Pfeifenberger sprach von einem "echten Highlight für uns. Natürlich haben wir in gewissen Phasen Glück gehabt. Aber das brauchst du." Büskens war sichtlich geknickt. "Ein bitterer Moment für uns. Ich weiß nicht, ob es Konsequenzen geben wird." (hac, 6.11.2016)

SK Rapid Wien – WAC 0:1 (0:0)
Wien, Allianz Stadion, 17.200, SR Muckenhammer

Tor: 0:1 (75.) Prosenik

Rapid: Strebinger – Thurnwald, Sonnleitner, Schößwendter, Wöber – Schaub, Grahovac (86. Malicsek), Murg (76. Traustason), Szanto – Kvilitaia (64. Joelinton), Jelic

WAC: Dobnik – Baldauf, Hüttenbrenner, Rnic, Klem – Jacobo (80. Standfest), Tschernegg, Offenbacher, G. Nutz – Prosenik (84. Rabitsch), Wernitznig (66. Sanogo)

Gelbe Karten: Schaub, Sonnleitner bzw. Offenbacher, Dobnik

Stimmen:

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Das ist für uns eine Riesenenttäuschung. Wir wollten unbedingt bis auf sechs Punkte an Sturm herankommen. Wir haben versucht, Druck zu machen und wollten zeigen, dass wir drei Punkten holen wollen. Letztlich sind wir daran gescheitert, dass wir nicht effektiv waren. Das ist ein bitterer Moment für uns, weil wir mit einer sehr jungen Mannschaft sehr viel investiert haben und am Schluss mit leeren Händen dastehen. Dass wir jetzt alle enttäuscht sind, ist normal. Ich weiß nicht, ob es Konsequenzen geben wird."

Heimo Pfeifenberger (WAC-Trainer): "Das ist ein echtes Highlight für uns, wenn man Rapid auswärts besiegen kann. Rapid war dominant und hat in der zweiten Hälfte noch mehr Druck gemacht. Wir hatten in gewissen Phasen Glück und haben dann das Tor gemacht, das Rapid nicht gemacht hat. Die Freistoßvariante von Offenbacher war offenbar so geplant, mir hat er aber davor nichts davon gesagt."

Philipp Prosenik (WAC-Torschütze): "Vom Ballbesitz und den Chancen her, war es ein glücklicher Sieg. Aber wir haben gewusst, dass alles möglich ist, wenn wir hinten solide stehen. Nach meinem Tor war es bei mir innerlich ein Gefühlschaos pur, aber für mich kommt es nicht infrage, bei einem Tor gegen Rapid zu jubeln, denn ich bin nach wie vor Rapid-Fan. Da macht man so etwas nicht."

  • Just Philipp Prosenik netzte gegen seinen Ex-Verein.
    foto: apa/hans punz

    Just Philipp Prosenik netzte gegen seinen Ex-Verein.

  • Der Ex-Rapidler (im Zweikampf mit Srdjan Grahovac) hält bereits bei sieben Saisontreffern.
    foto: apa/hans punz

    Der Ex-Rapidler (im Zweikampf mit Srdjan Grahovac) hält bereits bei sieben Saisontreffern.

  • Frustrierte Grüne: Maximilian Wöber, Matej Jelic und Joelinton (v.li).
    foto: apa/hans punz

    Frustrierte Grüne: Maximilian Wöber, Matej Jelic und Joelinton (v.li).

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