Alarmstufe Rot: Börsianer zittern vor Wahlsieg Trumps

6. November 2016, 11:02
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Die US-Wahlen werfen ihre Schatten voraus, Experten fürchten eine böse Überraschung wie beim Brexit-Votum

Frankfurt – Vor der Präsidentenwahl in den USA herrscht an den Börsen höchste Alarmbereitschaft. Ein Sieg des republikanischen Kandidaten Donald Tump könnte die Aktienmärkte ordentlich durchschütteln. Trump gilt als unberechenbar, seine politischen und wirtschaftlichen Pläne sind undurchsichtig. Jüngsten Umfragen zufolge könnte es am Dienstag auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Immobilienmilliardär und seiner für die Demokraten antretenden Rivalin Hillary Clinton hinauslaufen. Die Angst, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, ist groß bei Anlegern. Viele haben noch den Schock nach dem überraschenden Votum der Briten für den EU-Austritt vor Augen.

Sollte Trump das Rennen machen, wäre beim deutschen Leitindex Dax die Marke von 10.000 Punkten nicht zu halten, ist sich Aktienstratege Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets sicher. In der alten Woche verlor der Leitindex bereits gut vier Prozent. Auch an der Wall Street ging es bergab: Der Dow-Jones-Index verlor auf Wochensicht 1,5 Prozent, der S&P 1,9 und die Technologiebörse Nasdaq 2,8 Prozent.

Erleichterungsrally bei Clinton-Sieg

Katastrophal für die Börsen wäre aber auch, wenn am Mittwoch kein eindeutiger Sieger feststeht, betont Stanzl. Dagegen wird eine Erleichterungsrally erwartet, falls Clinton ins Weiße Haus einzieht. "Eine Präsidentschaft Hillary Clintons wäre sowohl für die Märkte als auch für die Konjunktur die sichere Alternative", sagt Beatrice Rosenthal, Chef-Volkswirtin der BayernInvest Kapitalverwaltungsgesellschaft.

Am besten würde an den Börsen eine Präsidentin Clinton bei gleichzeitiger Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus ankommen, schreibt die Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments. "Das würde dann an den Börsen neutral bis leicht positiv aufgenommen." Zum einen wären die von Clinton als Präsidentin zu erwartenden schärferen Regulierungen dann nur in abgeschwächter Form durchsetzbar, begründet Fondsmanager Nicolas Janvier. Zum anderen würden Voraussetzungen für einen potenziellen Kompromiss geschaffen bei für Anleger wichtigen Themen wie Steuer- und Einwanderungsreformen.

Zinserhöhung

Auch für Devisenanleger ist der Wahlausgang von großer Bedeutung. Experten sind sich einig, dass der Dollar im Falle eines Wahlsiegs von Trump auf Tauchstation geht. Der Euro dürfte dann aufwerten. Experten rechnen zudem damit, dass verstärkt als sicher geltende Anlagen wie Bundesanleihen gekauft würden. Das würde die Rendite der Titel drücken.

Diese Gemengelage hätte auch für die Geldpolitik der US-Notenbank Folgen. Die meisten Marktbeobachter gehen derzeit von einer Zinsanhebung der Federal Reserve (Fed) Mitte Dezember aus. "In einem Umfeld erhöhter Marktvolatilität würde die erwartete Zinserhöhung der Fed zunehmend infrage gestellt", sind sich die Volkswirte der Commerzbank sicher. (Reuters, 6.11.2016)

  • Nicht nur an der Wall Street herrscht Nervosität.
    foto: apa/afp/stan honda

    Nicht nur an der Wall Street herrscht Nervosität.

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