Thiem fährt nach London, Murray neue Nummer eins

5. November 2016, 12:11
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Raonic warf in Paris Tsonga raus, Murray eliminierte Berdych und somit war Thiems Weg zum abschließenden Highlight in England geebnet – Murray löst Djokovic an Spitze der Weltrangliste ab

Paris/Wien – Es wurde noch sehr spannend, doch Dominic Thiem hat es dank Schützenhilfe geschafft: Kurz vor Freitag Mitternacht komplettierte der Niederösterreicher das Acht-Mann-Feld für die ATP-Finals vom 13. bis 20. November in London, wo dann richtig die Post abgehen wird, weil sich der Brite Andy Murray am Samstag auf den Tennis-Thron geschwungen hat. Da Milos Raonic wegen einer Verletzung im rechten Oberschenkel nicht zum Halbfinale gegen Murray antreten konnte, ist der Brite neue Nummer eins der Tenniswelt. Novak Djokovic, in Paris vorzeitig ausgeschieden, stand seit Juli 2014 ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste.

Mit Tomas Berdych und Jo-Wilfried Tsonga waren in Paris Thiems letzte Mitstreiter um den noch offenen Platz für das Masters im Viertelfinale ausgeschieden. "Ich bin so glücklich, dass ich es nach London geschafft habe, danke auch an Andy und Milos, die mir geholfen haben", wurde Thiem in einer Aussendung der ATP zitiert. Wien-Sieger Murray hatte Berdych in zwei Sätzen ausgeschaltet, dabei aber im ersten Satz gleich sieben Satzbälle des Tschechen abgewehrt. Raonic wiederum besiegte Wien-Finalist Tsonga in zwei Sätzen.

"Ein Traum"

"Es war seit meiner Kindheit ein Traum, mich für die ATP-Finals zu qualifizieren. In den vergangenen zwei Jahren ist es ein Ziel geworden. Es in einem so jungen Alter zu erreichen, ist unglaublich, 20 Jahre nach dem bisher einzigen anderen österreichischen Spieler", erklärte Thiem, der der zweite Österreicher nach Thomas Muster beim Saison-Showdown der ATP im Einzel ist.

"Es wird eine großartige Erfahrung werden, gegen die besten Spieler der Welt anzutreten. Ich freue mich, mit ihnen eine Woche in London zu verbringen", sagte der 23-Jährige. Das Feld könnte internationaler nicht sein, denn mit Thiem sind nun acht verschiedene Nationen vertreten. Angeführt vom neuen Weltranglisten-Leader Andy Murray sind auch der entthronte Serbe Novak Djokovic, der Schweizer Stan Wawrinka, Kei Nishikori aus Japan, der Kanadier Raonic, der ebenfalls in London debütierende Franzose Gael Monfils und der Kroate Marin Cilic mit von der Partie.

Gespielt wird im Round-Robin-System in zwei Gruppen, Thiem wird also zumindest drei Gruppenspiele gegen drei Top-Ten-Spieler bekommen. Die jeweiligen Gruppensieger treffen im Halbfinale auf die Zweiten des anderen Pools.

Auslosung am Montag

Gegen wen Thiem spielen wird, wird er am Montag ab 16.00 Uhr MEZ erfahren, wenn die Auslosung über die Bühne geht. Die Spieler werden via Skype dabei sein, allerdings erst später anreisen, da die Halle auch erst ab Donnerstag zum Training zur Verfügung steht. Die Gruppe A ist übrigens nach John McEnroe benannt, die Gruppe B nach Ivan Lendl.

Vor Thiem war es im Einzel Thomas Muster als einzigem Österreicher gelungen, sich für das gemeinhin auch als Masters bekannte Saisonabschluss-Turnier der ATP zu qualifizieren. Muster war drei Mal (1990, 1995, 1996) dabei, schied aber jeweils nach den Gruppenspielen aus. Zweimal fungierte er als Ersatzspieler (1993 und 1997), kam dabei nur einmal zum Einsatz.

Tops und Flops

Für Thiem bedeutet die Qualifikation die Krönung seiner bisher besten Saison, in der er vor allem in den ersten sechs Monaten für Furore sorgte: Er gewann vier ATP-Turniere auf drei verschiedenen Belägen – in Buenos Aires und Nizza auf Sand, in Acapulco sein erstes Hartplatz-Turnier und in Stuttgart als erster Österreicher überhaupt ein Rasen-Event. Mit dem Einzug ins Halbfinale der French Open als dritter ÖTV-Spieler nach Muster und Jürgen Melzer spielte sich Thiem erstmals in die Top Ten, in denen er nun auch überwintern wird.

Ab Wimbledon wurde Thiem von gesundheitlichen Problemen zurückgeworfen. Dennoch erreichte er bei den US Open noch das Achtelfinale, in dem er wegen Knieschmerzen aufgeben musste. In der Folge qualifizierte sich Thiem noch in Metz für sein erstes Endspiel in der Halle, verpasste aber den fünften Saisontitel. Den Asientrip musste Thiem wegen einer Erkältung abbrechen, auch in Wien und Paris-Bercy lief es zuletzt nicht nach Wunsch.

Nun aber kann Thiem ziemlich unbelastet sein erstes Masters in Angriff nehmen. Spannend wird sein, ob er vor rund 17.000 Zuschauern in der O2-Arena wieder an seine alte Form anschließen kann. Zuvor bestreiten aber noch Murray und John Isner, der Marin Cilic mit 6:4,6:3 ausschaltete, das Finale in Paris. (APA, red, 5.11.2016)

  • Packed his things and ready to go.
    foto: apa/hans punz

    Packed his things and ready to go.

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