Krisenkolumne: Speckbröckerln über den Wolken

Kolumne4. November 2016, 17:03
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Ein fetter Trend im Flugverkehr

Der Krisenkolumnist macht sich Sorgen. Wenn sich die Anregung von Herrn Bharat Bhatta (Wirtschaftswissenschafter in Kathmandu) durchsetzt, wird er künftig für Flüge tiefer in die Tasche greifen müssen. Herr Bhatta befürwortet nämlich in einem Gespräch mit dem Spiegel vom Gewicht des Reisenden abhängige Ticketpreise – je dicker, desto teurer – und vergleicht dies mit dem Paketversand: "Je schwerer ein Paket ist, das sie verschicken, desto höher das Porto."

Diese Aussage ist zwar ein wenig geschmacklos (wer wird schon gerne mit einem Paket verglichen?), in der Sache hat Bhatta freilich recht: Um eine Ladung ordentlicher Speckbröckerln in die Lüfte zu hieven, braucht man mehr Kerosin als für einen ausgesprochenen Zniachtl-Flug.

Zudem forciert die bei vielen Dicken vorzufindende Breitärschigkeit die Fluglinien dazu, die Sitzflächen größer zu dimensionieren, was natürlich ebenfalls aufs Budget schlägt, weil man dann weniger Passagiere in die Holzklasse hineinquetschen kann. Der Krisenkolumnist hat zwar heuer durch professionelles Kuren und allgemeines Obachtgeben beim Speisen etliche Kilos abgebaut, bewegt sich aber immer noch eher in der gewichtsmäßigen Oberliga. Die nächsten Flüge könnten teuer werden.

Dass das gewichtsabhängige Ticket (bei Hawaiian Airways gibt es das bereits) Dicke diskriminiere und als eine Sonderform des Fat-Shaming gesehen werden könnte, stellt Bhatta in Abrede. Wahrscheinlich zu Unrecht.

Denn die bei Buchungen zu erwartenden Sätze wie "Das ist Ihnen aber schon klar, dass der Flug Wien-Zürich einen Fettsack wie Sie stolze 1500 Euro kostet?" haben doch einen gelinde demütigenden Beigeschmack. Auch die eine oder andere schnippische Bemerkung der Stewardessen bei der Essensausgabe ("Wer viel frisst, zahlt halt auch viel") könnte sensible Fluggäste traumatisieren.

Was ist die Lehre aus der Geschichte? Wieder einmal einer der verbreitetsten kategorischen Imperative unserer Zeit: Nimm ab! Ich empfehle die von mir erfundene, leicht durchzuführende "Flugliniendiät": sich drei Monate ausschließlich von dem kargen und geschmacklosen Zeug ernähren, mit dem die durchschnittliche Billigfluglinie ihre Passagiere verköstigt (ein hauchdünnes Analogkäse-Sandwich, 14 Gramm Salzbrezeln etc.). Sie werden staunen, wie bei dieser Diät die Kilos purzeln. (Christoph Winder, 5.11.2016)

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