Pipelineprotest als Symbol indigenen Widerstands in den USA

7. November 2016, 06:00
95 Postings

Die North Dakota Access Pipeline in den USA soll unter dem Missouri hindurchführen. Für die Indigenen ist der Fluss aber heilig

North Dakota / Wien – Die schweren Maschinen der Bauarbeiter kommen dem Missouri-Fluss immer näher. Nur noch wenige Kilometer trennen die Bagger des Energieunternehmens von dem Wasser, das den Indigenen im US-Bundesstaat North Dakota so heilig ist. Die Zeit läuft gegen die Demonstranten, die seit April versuchen, das rund 3,4-Milliarden-Euro-Projekt zu verhindern: die North Dakota Access Pipeline.

Insgesamt 75 Millionen Liter Rohöl sollen täglich durch die Rohre der Pipeline aus dem Bakken-Ölfeld in eine Raffinerie nahe Chicago gebracht werden – über eine Länge von 1900 Kilometern. Das Unternehmen hinter der Pipeline, Energy Transfer Partners, spricht von einem sicheren Unterfangen: Es sei weniger riskant, das Öl durch die Rohre als per Bahn oder Lkw zu transportieren.

foto: reuters/stephanie keith
Die Polizei geht unter anderem mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Haupttrinkwasserquelle

Die Indigenen des Standing-Rock-Reservates haben daran mehr als nur Zweifel: Sie befürchten, dass durch Lecks das Öl in den für sie heiligen Missouri gelangt, der untergraben werden soll. Sie nennen sich deshalb "Wasserbeschützer" und wollen den Bau des Projekts stoppen.

Das Wasser des Missouri ist die Haupttrinkwasserquelle der Standing Rock Sioux, etwa 10.000 Indigenen in North und South Dakota. Sie haben den Pionierkorps der US-Armee geklagt, der den Bau der Pipeline genehmigt hat. Ihrer Meinung nach hätten die Indigenen vor dem Start des Projekts konsultiert werden müssen. Der Rechtsstreit ist noch anhängig, doch ein Gericht hatte den Antrag abgelehnt, dass die Bauarbeiten währenddessen gestoppt werden. Auch eine zeitweise Verfügung der Regierung aus Washington vom September, die Bauarbeiten zu stoppen, wurde von einem Gericht aufgehoben.

Dutzende Verhaftungen

In den vergangenen Tagen erhielt der Widerstand gegen die Pipeline noch schärferen Gegenwind. Mehr als 100 Demonstranten wurden von den Polizeibehörden verhaftet, weil sie sich illegal auf dem privaten Land des Energiekonzerns aufgehalten hatten. Mit Pfefferspray, Gummigeschoßen und Lärmkanonen wurde gegen sie vorgegangen. Vorwürfe, dass Demonstranten in Käfigen gehalten werden und dass gegen ihre Menschenrechte verstoßen wurde, werden gerade unter anderem von den Vereinten Nationen untersucht. Unklar ist auch, woher die lokalen Behörden militärische Fahrzeuge erhalten haben, die gegen die Protestierenden eingesetzt wurden.

Auch gegen Journalisten waren Haftbefehle ausgestellt worden. Unter ihnen Amy Goodman, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und Produzentin des Nachrichtenformates Democracy Now!. Ein Richter wies später die Vorwürfe gegen sie zurück.

foto: reuters/josh morgan
Demonstranten wollen in North Dakota die Bagger stoppen.

Nationales Symbol

Der Protest gegen den Bau der Pipeline wurde immer mehr zum nationalen Symbol des Kampfes Indigener für ihre Rechte und gegen den Klimawandel und erreichte auch den US-Präsidentschaftswahlkampf. Junge Indigene besetzten die Wahlkampfzentrale von Hillary Clinton in New York und erreichten ein kurzes Statement der Kandidatin der Demokraten: Beide Seiten sollten einen Weg finden, der dem größten öffentlichen Interesse dient.

Der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, äußerte sich nicht öffentlich zu den Protesten. Doch Medienberichte zeigten, dass er zwischen 500.000 und einer Million US-Dollar in Energy Transfer Partners investiert hat. Außerdem spendete der Geschäftsführer des Unternehmens, Kelcy Warren, mehr als 100.000 Dollar an die Trump-Kampagne und weitere 66.800 Dollar an die Republikanische Partei.

US-Präsident Barack Obama sagte vergangene Woche in einem Interview mit der Nachrichtenseite NowThis, dass seine Regierung die Proteste genau beobachte. Er glaube, dass der Pionierkorps der US-Armee im Moment Möglichkeiten untersuche, die Route der Pipeline um das heilige Land der Indigenen zu bauen. Außerdem appellierte er an beide Parteien, sich so zu verhalten, dass niemand verletzt wird. (Bianca Blei, 7.11.2016)

Share if you care.