Warum auch leise Töne der Gesundheit schaden können

4. November 2016, 11:41
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Nicht nur Lärm, sondern auch leise Töne können das Risiko für Schlafstörungen, Diabetes und Herzinfarkt erhöhen

Dass lauter Lärm das Gehör beeinträchtigt, ist bekannt. Aber über die Schädigungen durch leisere Töne wissen die meisten Menschen kaum Bescheid. Diese Erkenntnisse sind auch relativ neu. Heute wissen die Experten, dass störend empfundene Geräusche, wie etwa ein tropfender Wasserhahn, das Brummen eines Transformators oder das gedämpfte Wummern des Straßenverkehrs auf Dauer eine verheerende Wirkung auf die Gesundheit haben können.

Entscheidend ist, dass Geräusche subjektiv als Belästigung empfunden werden. Dann reagiert der Körper auf sie mit Ausschüttung von Stresshormonen, was zur Erhöhung der Cholesterin- und Triglyzeridspiegel und der Blutgerinnungsfaktoren führen kann. Bleibt eine mäßige Lärmbelästigung über Jahre hinweg bestehen, kann dies die Entwicklung von Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes begünstigen.

Noch vor wenigen Jahren kannte die Lärmforschung nur den hohen Lärmpegel als Gradmesser für Gesundheitsprobleme durch Lärm. Heute weiß man, dass die in Dezibel (dB) gemessene Lärmstärke nur zu einem Drittel dafür verantwortlich ist; auch Frequenz, Dauer und Veränderlichkeit des Lärms spielen eine Rolle. Und natürlich die persönliche Einstellung zum Lärm.

Nicht machtlos

Deshalb wird Fluglärm bei gleicher Lautstärke von den meisten schlimmer empfunden als Straßenverkehrslärm. Und deshalb kann ein Eisenbahnliebhaber problemlos neben einem Rangierbahnhof wohnen – der Lärm ist eher Musik für seine Ohren. Dagegen empfinden Anwohner die abendlichen Klänge einer Band im benachbarten Lokal als unerhörte Belästigung.

Der Mensch ist weitgehend, aber nicht ganz machtlos gegenüber Lärm, schreibt der Reportagedienst obx-medizindirekt. Natürlich sollte er es vermeiden, Dauerbelastungen über 85 Dezibel ausgesetzt zu sein. Schon bei Lärmstärken von 65 dB beginnen viele Menschen, Kopfschmerzen zu entwickeln. Die Schädigungsgrenze, bei der Hör- und Gleichgewichtsstörungen auftreten, beginnt aber bereits bei 80 bis 90 dB. Die Schmerzgrenze wird bei etwa 120 dB erreicht.

Wer sich durch leise Töne gestört fühlt, kann einen Kunstgriff anwenden, indem er etwa durch etwas lautere, aber angenehme Radiomusik das Uhrticken oder den tropfenden Wasserhahn übertönt. Wer allerdings glaubt, ein Schlafmittel löse sein Problem, der irrt: Lästige Töne wirken auch unterbewusst im Schlaf. (red, 4.11.2016)

Geräusche in Dezibel:

  • Atmen: 10 dB
  • Stille (bis zu): 20 dB
  • Nächtliches Froschquaken: 64 dB
  • Vorbeifahrender Pkw: 80 dB
  • Krähender Hahn: 85 dB
  • Vorbeifahrender Zug: 90 dB
  • Presslufthammer: 105 dB
  • Disco und Rockkonzerte: 110 dB
  • MP3-Player (bis zu): 115 dB
  • Düsenflugzeug: 120 dB

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  • Wer sich durch den tropfenden Wasserhahn gestört fühlt, kann etwas lautere, aber angenehme Musik hören.
    foto: wikipedia/ángelo gonzález/(CC-Lizenz)

    Wer sich durch den tropfenden Wasserhahn gestört fühlt, kann etwas lautere, aber angenehme Musik hören.

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