WHO will Kinder vor Reklame für ungesundes Essen schützen

4. November 2016, 10:50
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Kinder werden durch digitale Tools gezielt mit emotionalisierender Werbung für zucker- und fetthaltiges Essen versorgt, warnt die Weltgesundheitsorganisation

Kopenhagen – Kinder müssen nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besser vor Onlinewerbung für ungesunde Lebensmittel geschützt werden. Digitale Analysemöglichkeiten und Standortdaten von Mobilgeräten erlaubten es Unternehmen, Zielgruppen mit großer Präzision auszumachen, warnt das europäische WHO-Büro in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Darin fordert die WHO ein Mindestalter von 16 Jahren für Werbung für Produkte mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt. "In den digitalen Medien hat sich ein ausgedehntes, hochkomplexes Werbesystem entwickelt, durch das viel gezielter als im Radio oder Fernsehen ein spezielles Publikum erreicht werden kann", heißt es in dem Bericht. So seien Fastfoodketten in der Lage, über Standortdaten von Mobiltelefonen Werbung und Angebote in Echtzeit an die Nutzer zu verschicken, die sich gerade in der Nähe von Filialen aufhielten.

Kinder werden emotionalisiert

Ziel sei es, "Kinder mit emotionalen und unterhaltsamen Erlebnissen zu begeistern und sie dazu zu ermutigen, diese Erlebnisse mit ihren Freunden zu teilen". Vielen Eltern sei nicht bewusst, dass die Daten ihrer Kinder beim Besuch bestimmter Internetseiten oder bei Onlinespielen gesammelt werden. Deshalb sei es erforderlich, dass sich Regierungen stärker einschalteten und Kontrollorgane einrichteten, verlangt die WHO.

Bereits in früheren Berichten hatte die WHO gefordert, ungesunde Lebensmittel mit einem Werbebann zu belegen. Immer mehr Kinder sind übergewichtig. Die WHO sieht dabei einen Zusammenhang mit der Vermarktung von besonders kalorienhaltigen und zuckerreichen Produkten: "Die Vermarktung von Lebensmitteln mit übermäßigem Energie-, Fett-, Zucker- oder Salzgehalt hat nachweislich schädliche Auswirkungen auf Kinder, denn sie fördert die Entwicklung ungesunder Präferenzen und Gewohnheiten", warnte die WHO etwa im vergangenen Jahr. (APA, red, 4.11.2016)

  • Zuerst wird der Standort des Smartphones analysiert, dann folgt die Anpreisung von Fastfoodrestaurants in unmittelbarer Nähe: Alltag für Kinder mit Handy.
    foto: getty images/istockphoto/arijuhani

    Zuerst wird der Standort des Smartphones analysiert, dann folgt die Anpreisung von Fastfoodrestaurants in unmittelbarer Nähe: Alltag für Kinder mit Handy.

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