IS-Jihadisten greifen Stadt bei Mossul an

4. November 2016, 13:02
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Sieben Soldaten und Kämpfer einer schiitischen Miliz getötet – Berichte über Einsatz von Kindersoldaten

Mossul – Kämpfer der Jihadistengruppe "Islamischer Staat" haben im Irak am Freitag einen Ort südlich der umkämpften Großstadt Mossul angegriffen. Dabei eroberten sie laut Polizei eine Moschee und mehrere Häuser. Sieben Soldaten und Kämpfer einer schiitischen Miliz wurden getötet. Die Angreifer seien in der Nacht in den Ort Shirkat etwa 100 Kilometer südlich von Mossul eingedrungen, sagte ein Polizist. Die Sicherheitskräfte verhängten eine Ausgangssperre und schickten Verstärkung, um die IS-Kämpfer zurückzuschlagen.

In der Schlacht um Mossul haben irakische Elitetruppen unterdessen laut Militärangaben sechs Bezirke im Osten der Stadt eingenommen. Die Soldaten hätten die Viertel Malajin, Sama, Chadra, Karkukli, Kuds und Karama zurückerobert, teilte die Armee mit. Sie hätten die irakische Flagge über Gebäuden gehisst, der IS habe schwere Verluste erlitten.

Über der Stadt standen schwarze Rauchsäulen. Einwohner berichteten, dass IS-Kämpfer Artilleriegeschütze und Raketenabschussrampen in Wohnvierteln stationieren würden. Einige seien in Bäumen versteckt, andere auf Dächern angebracht worden. In der Nacht auf Freitag sollen die irakischen Soldaten und ihre Verbündeten aus diesen Wohnvierteln heraus beschossen worden sein.

Kinder eingezogen

Der IS setzt nach UN-Erkenntnissen in der Schlacht um Mossul wohl auch Kinder ein. Die Extremisten hätten die Einwohner von Hammam al-Alil südlich von Mossul dazu gedrängt, insbesondere Buben ab einem Alter von neun Jahren an die Kämpfer zu übergeben, sagte eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbeauftragten am Freitag. Zudem hätten sie in der Region hunderte Menschen getötet, darunter 50 Deserteure und 180 ehemalige Regierungsbeschäftigte. Etwa 1.750 Menschen seien von Hammam al-Alil nach Tal Afar und Mossul gebracht worden, wo sie wohl als menschliche Schutzschilde dienen sollten. In Tal Afar hat der IS demnach fast 400 kurdische, schiitische und jesidische Frauen in seiner Gewalt. Auch bei Luftangriffen sei es zu zivilen Opfern gekommen, sagte die UN-Sprecherin, im Osten Mossuls kamen dabei vier Frauen ums Leben.

2014 erobert

Mossul ist die letzte IS-Hochburg im Irak. IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi hatte dort 2014 ein Kalifat ausgerufen. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Offensive vor fast drei Wochen etwa 21.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Unklar ist, wie viele der IS als menschliche Schutzschilde aus den umliegenden Dörfern in die Stadt gebracht hat.

Die irakische Armee rückt mithilfe kurdischer Peschmerga-Milizionäre und vom Iran unterstützter Schiitenmilizen von mehreren Seiten auf Mossul vor und kämpft seit einigen Tagen auch innerhalb des Stadtgebiets. Sie wird von einer internationalen Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen unterstützt. (APA, Reuters, 4.11.2016)

  • In Bashiqa bei Mossul erbeuteten irakische Truppen diese Eigenbau-Raketen
    foto: reuters/marius bosch

    In Bashiqa bei Mossul erbeuteten irakische Truppen diese Eigenbau-Raketen

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