Wohnen mit und ohne Seezugang

5. November 2016, 09:00
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In Fels am Wagram werden rund um einen künstlich angelegten Privatsee seit mehreren Jahren Grundstücke an stadtmüde Wiener verkauft. Die Einheimischen haben keinen Zugang

Wohnen am Wasser ist heiß begehrt. Darüber freuen sich die einen – oft sind das Immobilienentwickler – und ärgern sich die anderen. Das sind meist die Ortsansässigen.

Das ist nicht nur an bekannten Seen wie dem Attersee oder dem Wörthersee immer wieder der Fall, sondern auch in Fels am Wagram. In der etwas mehr als 2000 Einwohner zählenden niederösterreichischen Gemeinde im Bezirk Tulln wird seit 2008 rund um einen künstlichen zehn Hektar großen See der "Seepark Thürnthal" entwickelt.

Auf den 152 Grundstücken werden von den Käufern vorrangig Einfamilienhäuser errichtet. Die Quadratmeterpreise für Grundstücke liegen zwischen 85 und 185 Euro, die Grundstücksgrößen bei bis zu 566 Quadratmetern. Die Zielgruppe sind Wiener, "denen der Druck in der Stadt zu groß wird", erzählt Saad-el-Din Hadj-Abdou, Geschäftsführer der Vier Dimensionen Immobilien GmbH, die den See entwickelt.

Wohnungen zu haben

Zwar würde es immer mehr Menschen in die Stadt ziehen. Der Immobilienentwickler glaubt aber auch einen Gegentrend zu erkennen, der die Menschen der immer voller werdenden Stadt mit ihren steigenden Wohnungspreisen den Rücken kehren lässt.

Neben den Einfamilienhäusern sind in den letzten Jahren auch zwei Apartmentanlagen mit insgesamt 25 Mietwohnungen am See entstanden. 15 davon sind aktuell vergeben, berichtet Abdou. Vom Erdgeschoß bis hinauf zu den Penthäusern gebe es derzeit aber noch Wohnungen. In Fels am Wagram war man über das Projekt aber nicht immer glücklich: "Die Gemeindebürger haben zum Seepark keinen Zugang, nur die Grundstücksbesitzer haben ihre Grundstücke und einen gemeinsamen Strand", erzählt Bürgermeister Christian Bauer (ÖVP), der betont, dass das Projekt vor seiner Amtszeit genehmigt wurde.

"Der Felser See ist ein Privatsee, der den Bewohnern des Seeparks Thürnthal vorbehalten ist", bestätigt auch Abdou. Bewohner würden mit dem Kauf eines Grundstücks oder einer Immobilie auch verbücherte Seeanteile erwerben. Zu bestimmten Events – etwa zum Triathlon am Felser See, der im heurigen Sommer zum vierten Mal stattfand – sei der See auch für Besucher zugänglich, so Abdou.

Naturteich für Gemeinde

Der Gemeinde wurde am Rande des Seeparks ein hektargroßes Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem ein Naturteich errichtet wurde. Mit diesem Teich gab es aber immer wieder Probleme, berichtet Bürgermeister Bauer. In Medienberichten war zum Beispiel erst im Vorjahr die Rede von Problemen mit der Pumpe.

"Die Grundstücksverkäufe und die Besiedelung liefen aber gut", betont Bauer. Rund zwei Dutzend Grundstücke sind im Seepark nun laut Vier Dimensionen Immobilien GmbH wieder zu haben. Aktuell wird unter den Bewohnern des Seeparks Thürnthal eine Interessenerhebung durchgeführt und an einem Storage-System für jene Bewohner gearbeitet, die ihre Häuser ohne Keller errichtet haben und nun in Platznot kommen, erzählt Abdou.

Die Diskussionen rund um den fehlenden Seezugang der Bewohner von Fels am Wagram seien mittlerweile schon Jahre her, betont der Bürgermeister und sagt: "Die Zeit heilt alle Wunden." Für die Erhaltung der Infrastruktur im Seepark ist seit der Erschließung der ersten Grundstücke vor bald zehn Jahren die Gemeinde zuständig. "Leider sind es aber nicht nur Hauptwohnsitze, die hier errichtet werden", sagt Bauer.

Die Eingliederung jener Zuzügler, die auch tatsächlich dauerhaft hier leben, funktioniere aber gut, wie er meint. Die meisten von ihnen kämen aufgrund der guten Anbindung an die Autobahn aus Wien. Abdou freut sich indes auch über ukrainische Investoren, denen er Fels am Wagram bereits gezeigt hat. Die Renditen würden bei "fünf Prozent aufwärts" liegen.

Auf den Trend zum Wohnen am Wasser wird auch anderswo gesetzt – in so ziemlich allen Kategorien: Beim Projekt "Home 2" am Handelskai zum Beispiel. Oder im 19. Bezirk, wo für ein – mittlerweile baubewilligtes – Projekt mit dem ambitionierten Namen "The Shore" geworben wird, wo an der Donau mehrere Luxusvillen entstehen sollen.

Weitere Projekte geplant

Hausbesitzer an der Donau müssen sich um einen sinkenden Wasserspiegel wohl eher keine Sorgen machen. Immobilienentwickler Abdou rät aber dazu, sich beim Kauf von Seegrundstücken über die Wassersicherheit und eine regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität zu erkundigen. In der Widmung von Seegrundstücken sei außerdem oft nicht vorgesehen, dass das Haus ganzjährig bewohnt wird.

Abdou ist vom Potenzial von Wohnen am Wasser überzeugt. Auch rund um zwei Seen im burgenländischen Bad Sauerbrunn/Wiesen werde an einer "Immobiliengestaltung" gearbeitet. Derzeit würden die Planer letzte Details zur "Oase Pannonia" erstellen. Ab November können die ersten Besichtigungen vereinbart werden. (Franziska Zoidl, 5.11.2016)

  • Der Felser See ist ein Privatsee. Wer hier ein Grundstück kauft, erwirbt gleichzeitig auch verbücherte Seeanteile.
    foto: vier dimensionen

    Der Felser See ist ein Privatsee. Wer hier ein Grundstück kauft, erwirbt gleichzeitig auch verbücherte Seeanteile.

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