Peter Krawagna: Ich habe wohl schon in jedem Raum gemalt

7. November 2016, 05:30
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Der Maler Peter Krawagna wohnt in einer Mischung aus Villa, Sommerfrische-Hotel und städtischem Gründerzeithaus

Der Kärntner Maler Peter Krawagna wohnt in der Villa Waldesruhe in Krumpendorf. An den Umbau denkt er mit gemischten Gefühlen zurück. Heute genießt er den Blick in den Garten und das Malen in seinem Atelier.

"Auf das Haus ist meine Mutter im Jahr 1965 im Zuge einer Zeitungsanzeige gestoßen. Ausschlaggebend für unser Interesse war zunächst der Hinweis auf den alten Baumbestand. Vom ersten Eindruck vor Ort waren wir alle sehr angetan. Das Haus ist eine faszinierende Mischung aus Villa, Sommerfrische-Hotel und städtischem Gründerzeithaus. Auch die großen, alten Fichten haben es uns angetan. Kurze Zeit später haben meine Frau und ich beschlossen, das Haus zu kaufen.

foto: ferdinand neumüller
"Der LC2-Stuhl ist einer meiner Lieblingsplätze. Er eignet sich gut zum Lesen und zum Nachdenken." Peter Krawagna in seinem Wohnzimmer mit Blick auf den Wörthersee.

Ich erinnere mich, dass die Bausubstanz im Obergeschoß sehr gut war. Im Erdgeschoß und im Keller jedoch war der Zustand katastrophal. Die Mauern waren komplett durchfeuchtet. Wir dachten, das sei das Hangwasser. Nachdem wir die Fundamente freigelegt hatten, hat sich jedoch herausgestellt, dass die Vorbesitzer hinter dem Haus eine Sickergrube hatten, die auf den Plänen nicht ersichtlich war. Das war ein erleichternder Augenblick. Wir haben die Grube zugeschüttet und Drainagen gelegt. Damit war das Problem gelöst. Die restlichen Baumaßnahmen waren einfacher: Aus der Loggia haben wir eine verglaste Veranda gemacht. Wir haben Wände durchgebrochen, Toiletten und Bäder installiert und die Böden und Wände verbessert.

Das ist ein einfaches, sehr klar angelegtes Haus, das großzügig geschnitten ist und über hohe Räume verfügt. Es wurde 1882 errichtet und diente den Vorbesitzern als Sommerhaus. Auf der Hauptfassade unter dem Giebel stand "Villa Waldesruhe" in einer sehr schönen, kunstvollen Schrift. Ich konnte mit dem Schriftzug wenig anfangen, also habe ich beschlossen, ihn zu übermalen. Nachdem die "Villa" schon verschwunden war, dachte ich: Eigentlich wäre es doch schön, diesen alten Schatten der Vergangenheit zu erhalten. Jetzt ist nur noch "Waldesruhe" zu lesen.

Kunst spielt eine große Rolle in meinem Leben. Viele meiner Bilder sind hier im Haus entstanden. Ich habe wahrscheinlich schon in jedem Raum gemalt – immer dort, wo das Licht gerade am besten war, immer das, was sich aus dem Fenster gesehen an Motiven aufgetan hat. Damals gab es noch Wiesen und Felder um uns herum. Heute ist das Meiste verbaut. Der Blick auf den Wörthersee ist stark getrübt. Und die Umgebung wird immer hässlicher. Umso wichtiger ist die Aussicht in den Garten.

Es ist ein schönes, lebendiges Wohnen in diesem Haus, obwohl es natürlich aufgrund seines Alters gewisse Mängel hat. Unsere Familie ist groß, und wenn die Kinder und Enkel zu Besuch sind, ist Kreativität gefragt, die mit dem Anstückeln des Esstischs beginnt und mitunter sehr weitreichend ist. Ich habe zwei Lieblingsplätze im Haus. Erstens den Schaukelstuhl auf der Veranda mit dem wunderschönen Blick ins Grüne. Und zweitens diesen bequemen Sessel hier im Wohnzimmer. Das ist der LC2, ein Entwurf von Le Corbusier. Beide Möbel eignen sich gut zum Lesen und zum Nachdenken.

Bis vor wenigen Jahren befand sich mein Atelier im oberen Stock, eine Etage höher. Doch nachdem es nicht groß genug war, um darin auch große Bilder zu malen, habe ich beschlossen, mich zu vergrößern. Vor vier Jahren hat mir Architekt Reinhold Wetschko am unteren Ende des Grundstücks ein wunderschönes Atelierhaus gebaut. Das ist ein reiner Holzbau mit einem rund 100 m² großen Atelier. Das ist nun meine Hauptarbeitsstätte. Wissen Sie, meine Wünsche und Träume für die Zukunft durfte ich mir bereits erfüllen – zumindest zu einem sehr großen Teil. Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch offen: Ich möchte möglichst gesund bleiben, um noch viele Jahre arbeiten zu können." (7.11.2016)

Peter Krawagna, geboren 1937 in Klagenfurt, lernte das Malerhandwerk bei seinem Vater. Von 1953 bis 1957 studierte er Malerei bei Herbert Dimmel an der Kunstschule Linz, anschließend bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der École Nationale des Beaux Arts in Paris. Er verbrachte viele Jahre als Artist in Residence in Paris. Viele seiner Bildzyklen entstanden auf Studienreisen in Italien, Frankreich, Griechenland, Indien und Afrika. Heute lebt und arbeitet er mit seiner Frau Dorli in Krumpendorf am Wörthersee.

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