Teilgewerbe vor Auflassung: "Gut, wenn Bremse funktioniert"

3. November 2016, 18:41
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Grüner Selbstständigensprecher hält gewisse Qualifikationen weiterhin für überlegenswert

Wien – Ein zentraler Aspekt bei der Lockerung der Gewerbeordnung ist die Auflassung des Teilgewerbes. Eine ganze Ebene falle weg, lobte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl Mittwochabend in der "ZiB 2" den Schritt. Diese Auffassung wird auch von anderen Fraktionen geteilt. Der grüne Sprecher für Selbstständige, Matthias Köchl, sagt, er habe genau diesen Schritt vor einem Jahr im Parlament beantragt.

Allerdings: Er hätte nur zwölf von 21 Teilgewerben ganz freigegeben. Die Regierung will nun bei 19 alle Zugangsvoraussetzungen streichen. Köchl nimmt dabei den Beruf Fahrradtechniker als Beispiel, bei dem weiterhin gewisse Qualifikationen überlegenswert seien. "Es ist schon gut, wenn die Bremse funktioniert", meint er. Bei Teilgewerben ist der Befähigungsnachweis einfacher als in den 80 reglementierten Berufen. Meist reichen Lehrabschluss, vergleichbare Qualifikationen oder auch nur Berufserfahrung für die Selbstständigkeit. Bei den reglementierten Gewerben ist beispielsweise im Handwerk die Meisterprüfung in der Regel Bedingung für die Gründung eines Unternehmens.

Zurück zur Fahrradtechnik. Hier wurde bisher ein Lehrabschluss als Mechaniker oder eine verwandte Ausbildung vorausgesetzt. Alternativ reicht der Nachweis einer mindestens dreijährigen berufsbildenden Schule mit mechanisch-technischem Schwerpunkt. Klarerweise befähigt auch ein technisches Studium zur Reparatur von Fahrrädern.

Schmalspurvariante

Ähnlich verhält es sich bei anderen Teilgewerben: Der Einbau von Radios, Alarmanlagen und Telefonen kann – salopp formuliert – als Schmalspurvariante des Kfz-Technikers betrachtet werden. Neben dieser Lehre genügt auch die Ausbildung zum Elektromechaniker und -maschinenbauer oder zum Kommunikationstechniker für den Einbau von Autoradios. Oder: Während der Schuhmacher eine Meisterprüfung benötigt, kommt man für das Instandsetzen von Schuhen mit einem Lehrabschluss aus. Änderungsschneider, Nagelstudio, Messerschleifer, Nähmaschinentechnik oder Polstermöbelreinigung sind ebenfalls Beispiele für Teilgewerbe, die künftig ohne Befähigung ausgeübt werden dürfen.

Zwei Ausnahmen soll es aber geben: Bei den Teilgewerben Erdbau und Huf- und Klauenbeschlag hat sich die ÖVP gegen eine Liberalisierung gestemmt. Beim Hufschmied sollen weiterhin Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung und die Absolvierung des einschlägigen Lehrgangs mit 485 Lehrstunden Voraussetzung für die Berufsausübung bleiben. Erdbautätigkeiten dürfen auch künftig nur nach Maurerlehre oder vergleichbaren Qualifikationen durchgeführt werden.

Gerungen wird noch darum, ob der Hufschmied ein reglementiertes Gewerbe wird. Faktisch hätte das aber keine Auswirkungen, weil die Zugangsvoraussetzungen nicht geändert würden. Der Erdbau soll wiederum Teil des Baugewerbes werden. Die Teilgewerbeverordnung könnte somit aufgehoben werden. (as, 3.11.2016)

  • Bei Fahrradtechnikern wurde bisher ein Lehrabschluss als Mechaniker oder eine verwandte Ausbildung vorausgesetzt. Alternativ reicht der Nachweis einer mindestens dreijährigen berufsbildenden Schule mit mechanisch-technischem Schwerpunkt.
    foto: apa/hochmuth

    Bei Fahrradtechnikern wurde bisher ein Lehrabschluss als Mechaniker oder eine verwandte Ausbildung vorausgesetzt. Alternativ reicht der Nachweis einer mindestens dreijährigen berufsbildenden Schule mit mechanisch-technischem Schwerpunkt.

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