Modehaus Stefanel vor dem Aus

4. November 2016, 06:00
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In der italienischen Modebranche kriselt es, Stefanel steckt in der Krise, der Verwaltungsrat zieht die Notbremse

Stefanel, einst Aushängeschild für Italiens Modeerfolg, steckt tief in der Krise. Nachdem der Strickwarenspezialist seit 2009 rund 100 Millionen Euro Verluste angehäuft hat, mit 87 Millionen Euro bei den Banken verschuldet ist und im ersten Halbjahr erneut schlechte Zahlen vorgelegt hat, hat nun der Verwaltungsrat die Notbremse gezogen und Gläubigerschutz beantragt.

Das von Giuseppe Stefanel geleitete Modehaus aus Venetien ringt seit Jahren ums Überleben. Trotz Rationalisierung des Vertriebsnetzes, Schließung unrentabler Filialen und Konzentration auf die Kernmärkte hat sich die Krise in den vergangenen Monaten zugespitzt. Die Bilanz weist ein negatives Eigenkapital in Höhe von elf Millionen Euro aus. Durch den Gläubigerschutz soll das börsennotierte Unternehmen vorerst vor den Forderungen seiner Gläubiger geschützt werden.

Rothschild-Banker suchen nach Investoren

Nun hat Stefanel 60 Tage Zeit, um einen neuen Strategieplan zu finanzieren, der das Überleben des Modemarke garantieren soll. Fokussiert werden soll angeblich auf den Nahen Osten, auf Russland und auf ein neues Shop-Konzept. Giuseppe Stefanel, der mit seiner Familie noch 51 Prozent des Kapitals hält, hat die Investmentbanker von Rothschild mit der Suche nach neuen Investoren beauftragt.

Der 1959 von Carlo Stefanel gegründete Konzern beschäftigt 1.147 Arbeitnehmer, davon 540 in Italien. Stefanel ist nicht die einzige renommierte Modefirma, die derzeit in Schwierigkeiten ist. Benetton Group arbeitet an einem Relaunch. Deren einst beliebte Jeans-Marke Jeans West wurde ad acta gelegt, die Produktion für den Jeans-Modehit Americanino eingestellt. Der Luxusmodekonzern Mariella Burani, Symbol für Italiens Modeboom in den Achtziger- und Neunzigerjahren, befindet sich in Konkurs. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 4.11.2016)

  • Ein Model trägt Stefanel – wie lange noch, ist derzeit die Frage.
    foto: epa/ralf hirschberger

    Ein Model trägt Stefanel – wie lange noch, ist derzeit die Frage.

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