Bis zu 44 Prozent der bestehenden heimischen Jobs gefährdet

3. November 2016, 17:11
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Die Digitalisierung könnte vier von zehn Jobs in der Industrie und im nahen Dienstleistungsbereich bis 2040 überflüssig machen, erhob A. T. Kearney

Wien – Die voranschreitende Automatisierung und Vernetzung zwischen Maschinen wird in Österreichs Industrielandschaft keinen Stein auf dem anderen lassen. Zu diesem Schluss kommt die Unternehmensberatung A. T. Kearney in der neuen Studie "Wertschöpfung 4.0", für die unter anderem Interviews mit 100 Industrievertretern aus Österreich ausgewertet wurden.

Sukkus der Erhebung ist, dass in Österreich bis zu 1,8 Millionen Arbeitsplätze, das sind 44 Prozent aller heute bestehenden, bedroht sind. Davon entfallen rund 500.000 auf die Industrie, 250.000 auf industrienahe Dienstleistungen wie Instandhaltung und Service sowie etwas mehr als eine Million auf andere Dienstleistungen und Sektoren. Um das Wohlstandsniveau in Österreich zu erhalten, müssten bis zu 30 Prozent der Wirtschaftsleistung bis dahin mit neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen erwirtschaftet werden.

Mehr Naturwissenschaft

"Das ist machbar, wenn man einige Sachen beachtet", sagte Florian Haslauer, Geschäftsführer von A. T. Kearney in Österreich, bei der Präsentation der Studie am Donnerstag. So müssten die Arbeitswelten und Ausbildungsmodelle dringend an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Naturwissenschaftliche Fächer sollten viel stärker propagiert werden, als dies heute der Fall ist, Innovation gehöre viel stärker unterstützt. Österreich sei zwar nicht schlecht, was den Input betreffe – sprich die Mittel, die in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert werden –, es komme aber im Vergleich zu anderen Ländern viel zu wenig heraus, sagte Haslauer.

Er verwies auf die Patentanmeldungen pro eine Million Einwohner, bei denen Österreich mit 475 Nennungen deutlich hinter Deutschland (913) und der Schweiz (1.018) liegt – bei einer durchaus vergleichbaren F&E-Quote von rund drei Prozent.

Hohe Wertschöpfung

Der Wohlstand Österreichs gründe zu einem großen Teil auf dem Erfolg der Industrie, die 21,7 Prozent zur Wertschöpfung im Land beiträgt, inklusive der Bauwirtschaft sogar 28 Prozent. Das durchschnittliche Nettomonatseinkommen liegt in der Industrie mit 2.195 Euro um knapp zwölf Prozent über dem anderer Bereiche. Und: 56 Prozent aller Lehrlinge werden in einem Industrieunternehmen ausgebildet. Somit sei die Industrie ein nicht zu unterschätzender Wohlstandstreiber im Land, sagte Haslauer.

Um den Übergang in die neue Arbeitswelt bestmöglich zu schaffen, sei auch eine intensivere Vernetzung von Unternehmen mit Forschungseinrichtungen und Universitäten geboten.

Positiver Zugang

Österreichs Industrieunternehmen stehen der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber. Für drei Viertel der Befragten überwiegen die Chancen der Digitalisierung für ihr Unternehmen. Für so gut wie keinen überwiegen die Risiken. Viel Potenzial wird vor allem in der Entwicklung neuer Produkte gesehen, aber auch in der Implementierung neuer Technologien und in der Erhöhung der Produktivität.

Ein anderer Effekt der Digitalisierung wird nach Dafürhalten von Haslauer von den heimischen Industriebetrieben aber unterschätzt. Nur acht Prozent glauben, dass vermehrt Branchenfremde in ihren Hoheitsbereich eindringen. Auch das Szenario, dass sich durch den Eintritt branchenfremder Unternehmen der Wettbewerb für ihre Firma deutlich verschärfen könnte, hält die Mehrheit der Befragten für unwahrscheinlich. In Deutschland sei die Sensibilität dafür etwas größer, aber auch nicht sonderlich ausgeprägt. (stro, 3.11.2016)

  • Eine aktuelle Studie sieht in Österreichs Industrie eine halbe Million Arbeitsplätze bedroht.
    apa

    Eine aktuelle Studie sieht in Österreichs Industrie eine halbe Million Arbeitsplätze bedroht.

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