Elizabeth Ward: Eine dichte, technoide Ekstase

3. November 2016, 16:01
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Kein altmodischer Spitzentanz, sondern das Anzapfen von Techno-Energie: Uraufführung des Techno-Balletts "everything is in everything" im Brut-Theater

Wien – Ballett ist immer noch eine fabelhafte Tanzform. Leider plagen sich heute viele darauf spezialisierte Choreografinnen und Choreografen vergeblich damit, seine Möglichkeiten zeitgemäß einzusetzen. Elizabeth Ward (39) ist als Künstlerin der Gegenwart verbunden und hält trotzdem an ihrer Leidenschaft für das Ballett fest. Was dabei herauskommen kann, zeigt die in Detroit geborene und seit rund zwei Jahren in Wien lebende Tänzerin-Choreografin am Freitag und Samstag im Brut-Theater mit der Uraufführung ihres neuen Stücks everything is in everything.

Mit "Alles in allem" ist allerdings nicht gemeint, dass Ward den klassischen Spitzentanz mit Tutu zu ergötzlichen Klängen etwa von Tschaikowski in ein modernes Ambiente schüttelt. Stattdessen donnert Techno-Sound von AC/Boy, während ein als vier Tänzer reduziertes Corps de ballet – Alex Bailey, Anne Juren, Michael O'Connor und die Choreografin selbst – in düsteren Gefilden wütet.

Da verkörpert nur Elizabeth Ward das Ballett, ihre exzellenten Mittänzer bringen den Kanon postmoderner Tanzformen dazu. Wie bei Doris Uhlichs jüngsten Arbeiten und in entfernter Verwandtschaft mit den Stücken von Ian Kaler steht auch hier die Ekstase im Zentrum der künstlerischen Auslotung. Dazu kommt ein kollektives Element, das Ward zufolge den Techno- mit dem Balletttanz verbindet. So soll laut Ankündigung wörtlich "ein dichter technoider Corps de Ballett" entstehen, "der rohe, ursprüngliche Energien freisetzt". Roh ist auch, dass das gängige (sächliche) Corps de ballet dabei zum maskulinen "Corps de Ballett" wird.

Wie "ursprünglich" die Energien einer technoiden Entität auch sein mögen – hier wird an Grenzen manipuliert, die zwischen Körper und Gerät, Kontrolle und emotionaler Explosivität bestehen. Wer da an Karole Armitage oder La La La Human Steps denken muss, hat jetzt Gelegenheit zu beobachten, wie sich Wards künstlerische Position zu deren Ästhetik verhält. (Helmut Ploebst, 3.11.2016)

Brut-Theater, 4., 5. 11.

  • In Elizabeth Wards Tanzästhetik wird nicht nur, aber auch den Wonnen der Geometrie gehuldigt.
    foto: caitlin kirby

    In Elizabeth Wards Tanzästhetik wird nicht nur, aber auch den Wonnen der Geometrie gehuldigt.


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