Gemeinnütziger Wohnbau in Europa: Wien startet neue Initiative

3. November 2016, 14:53
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Ludwig: Soll Bewusstsein für die Notwendigkeit des geförderten Wohnbaus schaffen

Wien – Wien hat eine neue Initiative zur Sicherung des gemeinnützigen Wohnbaus in Europa ins Leben gerufen. Diese wurde am Donnerstag in einer Pressekonferenz anlässlich des 15. Wohnbauforschungstages von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) und u.a. dem deutschen Staatssekretär im Bundesbauministerium, Gunther Adler, vorgestellt. Ziel ist, damit auf internationaler Ebene Bewusstsein zu schaffen.

"In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Angriffen des sozialen Wohnbaus in Europa gekommen. Im Einsatz für den sozialen Wohnbau brauchen wir innerhalb Europas starke Bündnispartner, um Bewusstsein zu schaffen für die Notwendigkeit geförderten Wohnraums – nicht nur für uns, sondern auch für die nachfolgenden Generationen. Wohnen ist ein Grundrecht", mahnte Stadtrat Ludwig.

Der geförderte Wohnbau sei "eine wichtige öffentliche Dienstleistung", die zum Zweck der sozialen Durchmischung einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich sein solle – und nicht nur Menschen mit niedrigen Einkommen. Es müsse auch in Zukunft sichergestellt werden, "dass Wohnraum nicht nach Belieben und wie eine Ware gehandelt, und nicht ausschließlich den Gesetzen des Marktes überlassen wird".

Wichtige Rolle in Wien

In Wien spielt der soziale Wohnbau eine wichtige Rolle. Immerhin leben in der österreichischen Bundeshauptstadt 60 Prozent in Gemeindewohnungen oder gefördert errichteten Appartements. Als einziges Land in Europa ist in Österreich außerdem die Gemeinnützigkeit im Wohnbau in einem Gesetz festgehalten, hieß es heute. Dabei handelt es sich um das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz.

Der gemeinnützige Wohnbau ist auch eine finanziell gewichtige Branche: "Die gemeinnützigen Bauvereinigungen sind ein Wirtschaftszweig mit einer Bilanzsumme von circa 50 Mrd. Euro", berichtete Michael Pech, Aufsichtsratsvorsitzender des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV). Dabei verweis er auf Zahlen der Statistik Austria, wonach die Mieten im geförderten Wohnbau um rund 23 Prozent unter jenen im privaten Bereich liegen.

"Es ist beeindruckend, was Österreich und speziell Wien mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau geleistet hat", lobte Adler. Weiters kündigte er an: "Wir wollen den Wohnungsneubau ankurbeln. Dafür ist die Stärkung der sozialen Wohnraumförderung nötig."

Wohnungsnot lindern

Als internationales Beispiel wurde die deutsche Stadt Leipzig vor den Vorhang geholt. Anfang der 1990er-Jahre gab es in Sachsen eine Wohnungsbauförderung, um die Sanierung des Wohnungsbestandes voranzutreiben und die bestehende Wohnungsnot zu lindern.

Jedoch sank in Leipzig bis Ende der 1990er-Jahre die Einwohnerzahl, was zu Leerständen und einem geringen Mietniveau führte. Die Fördermittel flossen in den Rückbau von Wohnungen und die Wohnumfeldgestaltung.

Seit einigen Jahren wächst die Stadt wieder – damit steigen auch die Nachfrage nach Wohnraum und die Mietpreise. "Es bedarf daher dringend des erneuten Einstiegs in den sozialen Wohnungsbau", berichtete Bürgermeisterin Dorothee Dubrau. Dafür würden im Moment die Rahmenbedingungen geschaffen. In den nächsten Jahren könnten dann mit jährlich 20 Millionen Euro bis zu 550 Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment geschaffen werden.

Bei der heute präsentierten Initiative handelt es sich um die zweite Wiener Aktion im Bereich des sozialen Wohnbaus. 2013 riefen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Ludwig eine Initiative zur "Erhaltung und den Ausbau eines sozialen und nachhaltigen Wohnbaus in Europa" ins Leben. Diesem Bündnis haben sich 30 Städte angeschlossen.

Der Wiener Wohnbauforschungstag findet am heutigen Donnerstag in der TU Wien statt. Bis 18.00 Uhr stehen u.a. Vorträge, Impulsreferate und Diskussionsbeiträge auf dem Programm. Im Fokus stehen die Themen sozialer Wohnbau, Sicherheitsempfinden als Faktor für Wohnzufriedenheit und die Aspekte der Wohnzufriedenheit. (APA, 3.11.2016)

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