Brexit-Schock gut verdaut: Keine zusätzlichen Konjunkturspritzen

3. November 2016, 14:09
2 Postings

Leitzins bleibt auf Rekordtief von 0,25 Prozent – Umfang des Anleihen-Kaufprogramms weiter bei 435 Milliarden Pfund

London – Angesichts des bisher gut verarbeiteten Brexit-Schocks verzichtet die Bank of England (BoE) auf neuerliche Konjunkturspritzen. Sie beließ den Umfang ihres Anleihen-Kaufprogramms am Donnerstag bei 435 Mrd. Pfund (483 Mrd. Euro) und tastete zugleich den historisch niedrigen Leitzins von 0,25 Prozent nicht an. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Die Währungshüter hatten den Schlüsselzins im August unter dem Eindruck der ersten negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des EU-Austrittsvotums auf 0,25 Prozent gesenkt. Da sich die Wirtschaft danach aber als überraschend robust erwies, wurde nun auf eine weitere Kappung verzichtet.

Pfund auf Talfahrt

Seit dem Anti-EU-Referendum von Ende Juni ist das Pfund auf Talfahrt gegangen und hat über teurere Energie-Importe für einen Preisauftrieb gesorgt. Die Währungshüter erwarten nun, dass die Inflation bereits innerhalb eines Jahres auf 2,7 Prozent ansteigen wird. Damit würde sie weit stärker ausfallen, als es der Notenbank lieb sein kann. Denn sie peilt einen Wert von 2,0 Prozent an. Die Notenbank, die zuletzt mit einer neuerlichen Kappung der Zinsen geliebäugelt hatte, will sich nun alle Optionen offenhalten, um auf die weitere Entwicklung zu reagieren. Dabei schloss sie weder einen Schritt nach oben noch nach unten aus.

Die neue britische Regierungschefin Theresa May will den offiziellen Antrag zum Austritt aus der Europäischen Union bis Ende März einreichen und dann Gespräche mit der EU beginnen. Ein Londoner Gericht entschied nun jedoch, dass sie zuvor die Zustimmung des Parlaments einholen muss. Diese gilt nicht als sicher. Fachleute gehen davon aus, dass die Verunsicherung über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU die Konjunktur in beiden Wirtschaftsräumen bremst. (APA, 3.11.2016)

Share if you care.