Integrationsbeauftragte gegen Pauschalverbot von Kinderehen

3. November 2016, 12:08
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Özoguz verweist auf unbeabsichtigte Folgen für betroffene Frauen – Eine Aberkennung der Ehe würde sogar eine Rückkehr in die Heimatländer unmöglich machen

Berlin – In der Debatte um Kinderehen von jungen Migranten und Flüchtlingen hat sich die Integrationsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), gegen ein allgemeines Verbot ausgesprochen. "Ein pauschales Verbot von Ehen von Minderjährigen ist zwar vielleicht gut gemeint, kann aber im Einzelfall junge Frauen ins soziale Abseits drängen", sagte die SPD-Politikerin in den Donnerstagsausgaben der Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Eine Rechtsverschärfung könnte für betroffene Frauen unbeabsichtigte Folgen haben, sagte Özoguz. "Werden ihre Ehen aberkannt, verlieren sie unter anderem Unterhalts- und Erbansprüche, ihre Kinder wären unehelich, für viele würde das sogar eine Rückkehr in ihre Heimatländer unmöglich machen."

Union für ausnahmsloses Verbot

Mit ihrer Kritik an einem generellen Verbot stellte sich Özoguz hinter Justizminister Heiko Maas (SPD). Die Unionsfraktion im Bundestag will Eheschließungen unter 18 Jahren dagegen ohne Ausnahme verbieten – auch für deutsche Jugendliche.

Laut Ausländerzentralregister waren Ende Juli 2016 insgesamt 1.475 in Deutschland lebende ausländische Minderjährige verheiratet. 361 davon waren jünger als 14 Jahre, 120 waren 14 oder 15 Jahre alt. Die meisten davon sind Syrer, auch Afghanen und Iraker sind darunter.

Die Zahl der in Deutschland geschlossenen Ehen mit minderjährigen Partnern geht dagegen seit Jahren deutlich zurück, wie die Funke-Zeitungen unter Berufung auf das Statistische Bundesamt schreiben. Habe es im Jahr 2000 noch 1.073 Eheschließungen von unter 18-Jährigen gegeben, seien es 2005 noch 377 und 2015 nur noch 92 gewesen. (APA, 3.11.2016)

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