Kubanische Pensionisten machen Kunst

Ansichtssache7. November 2016, 17:36
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Der Fotograf Gerald Henzinger dokumentierte rappende Großmütter, singende Hausmeister und dichtende Malerinnen in Kuba. Die Fotos werden nun in Wien gezeigt

Noch bis 30. November läuft der Monat der Fotografie in Wien. Unter dem Motto "Eyes On" gibt es 150 Ausstellungen zu sehen. Das Spektrum des Fotofestivals ist breit: So werden in Magdas Hotel im zweiten Bezirk unter dem Motto "Wir sind hier. 45 Jugendliche. 45 Geschichten. 45 Orte in Wien" Porträts von Flüchtlingen gezeigt.

In einer anderen Ausstellung stehen Katzenfotos im Mittelpunkt. Fotograf Daniel Gebhart de Koekkoek dokumentierte das akrobatische Talent fliegender Katzen (DER STANDARD berichtete).

Alte Menschen als Künstler

Ab Dienstag sind die Bilder von Gerald Henzinger (Künstlername Enlumen) im Kulturcafé Hikmet in der Schottenfeldgasse 95 zu sehen. Der österreichische Fotograf reiste für seine Ausstellung "Arte de todos" nach Kuba, wo der Arzt Julio Acosta Saavedra ältere Menschen betreut. "Es geht um die Aktivierung von Havannas Alten durch Kunst. Der eine singt, die andere malt, Hauptsache, sie tun etwas und bleiben so fit", sagt der Fotograf.

18 Künstler hat er für das Projekt porträtiert. "Sie haben keine künstlerische Ausbildung genossen, dennoch verbindet sie die Muse, Werke zu erstellen und zu präsentieren", heißt es in der Ankündigung. Unter ihnen sind Musiker, Maler, Komponisten und Tai-Chi-Experten, die dem Betrachter einen Einblick in ihre Interpretation von Kunst geben. DER STANDARD zeigt eine Auswahl an Bildern. (red, 8.11.2016)

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Eyes On. Monat der Fotografie

Website des Fotografen

foto: enlumen.net

Cuqui (67) aus Havanna ist Teil der Rapgruppe Las chicas del ayer.

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Die anderen Mitglieder sind zwischen 78 und 83 Jahre alt und kennen einander schon sehr lange. Sie sangen gemeinsam in einem Chor. "Wir wollten etwas mit mehr Bewegung und tanzen", sagt Cucqui. So entstand 2004 die Rapgruppe.

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Auch Rosa (83) ist Teil von Las chicas del ayer. Hier erholt sie sich in einer Probenpause.

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Lizet (80) zeichnet und schreibt Gedichte. Sie hat Krebs; wenn sie malt, vergisst sie ihre Krankheit.

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Ihr Mann heißt Luis und ist 93 Jahre alt. Die beiden haben fünf Kinder. Luis' Kunst ist sein Gesang. Am liebsten singt er Lieder von Carlos Gardel, einem argentinischen Tangosänger der 30er-Jahre.

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Luis war Hausmeister im Gran Teatro de La Habana. Zu Hause baute er sich einen Plattenspieler und kaufte russische Schallplatten mit klassischer Musik. So lernte er die klassische Musik kennen und lieben.

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Olga macht selbst keine Kunst. Als "Diputado de la Zona Habana vieja", eine Art Bürgermeisterin des Stadtviertels, hat sie gelernt zu organisieren. Nun organisiert sie die alten Künstler. "Sie sollen in Bewegung bleiben, etwas tun", sagt sie.

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Carlos ist Tenor und war Sänger in der Gran Opera de Habana. Seit seiner Jugend betreibt er außerdem Bodybuilding. In seiner Wohnung hat er sogar einen eigenen Fitnessraum mit einer Hantelbank.

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Lourdes und Carlos sind seit 60 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Sie schreibt Gedichte. Unlängst war sie damit sogar im Fernsehen.

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Mirtha (83) verkörperte in ihrem letzen Film "Los Dioses Rotos" (Die zerstörten Götter) eine singende Schamanin.

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Amelia Caballo ist 63 Jahre alt und eine international anerkannte bildende Künstlerin mit Ausstellungen weltweit.

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