Macbook Pro: Apples wirre Erklärung für Kopfhörer, gegen SD-Slot

3. November 2016, 09:08
753 Postings

Marketingchef Phil Schiller stellt sich der Kritik und sorgt damit erst recht für Verwunderung

Über die Jahre hat Apple immer wieder kontroverse Hardwareentscheidungen getroffen, doch nur wenige haben die Gemüter dermaßen erhitzt wie das Weglassen der Kopfhörerbuchse bei der aktuellsten iPhone-Generation. Entsprechend erleichtert waren manche Apple-Fans, als klar wurde, dass die neueste Macbook-Pro-Generation weiter mit einem Miniklinkenanschluss aufwartet. Das wirft wiederum die Frage auf, warum die laut Apple "veraltete Technologie" offenbar noch neu genug für Laptop-Besitzer ist. Gegenüber dem britischen "Independent" liefert Apples Marketingchef Phil Schiller nun eine Antwort auf diese offensichtliche Diskrepanz – oder versucht es zumindest.

Apple-Spin

Beim Macbook Pro handle es sich um ein Gerät für professionelle Anwender, "ginge es nur um Kopfhörer, bräuchten wir diese Buchse nicht, das kann auch wireless problemlos abgedeckt werden", zeigt sich Schiller überzeugt. Allerdings gebe es viele Nutzer, die das Macbook Pro zur Audioproduktion nutzen und an externe Studio-Monitorboxen, Verstärker oder anderes professionelles Equipment anhängen müssen, und da komme man eben nicht um einen Klinkenanschluss herum.

War da nicht noch was?

Eine durchaus nachvollziehbare Argumentation, die allerdings einen kleinen Schönheitsfehler hat – ließe sich doch exakt das Gleiche für einen SD-Karten-Slot ins Feld führen. Viele Fotografen verwenden Equipment, mit dem nicht so einfach drahtlos Bilder auf den Laptop übertragen werden können oder zumindest das Ganze wesentlich mühsamer wird. Und doch hat Apple den SD-Karten-Slot beim Macbook Pro gestrichen, viele Fotografen müssen also künftig einen weiteren Adapter mit sich herumtragen, was der Musikbranche offenbar nicht zuzumuten war.

Schiller argumentiert hier vor allem damit, dass das Herausragen der Karte ein Problem sei. Außerdem sei der SD-Slot ohnehin schon bisher ein Kompromiss gewesen, da es schließlich auch andere Speicherkartentypen gebe. Nun ist dieser Vorteil für SD-Karten-Besitzer Geschichte, alle müssen sich künftig gleichermaßen Adapter für den USB-C-Anschluss kaufen, andere Ports gibt es am Macbook Pro ja nicht mehr.

Wo bleibt die Courage?

Zudem stellt die Argumentation Apples einen starken Kontrast zu Schillers Wortmeldungen anlässlich der Vorstellung des iPhone 7 dar, wie "Business Insider" betont. Damals sprach er selbst von der "Courage" Apples, veraltete Dinge hinter sich zu lassen und etwas zu tun, das schlussendlich für alle besser sei. Es scheint fast so, als sei Apple dieser Mut in den vergangenen Wochen wieder abhandengekommen. (red, 3.11.2016)

  • So schnell kann Apple die "Courage" verlassen, die man beim iPhone 7 noch hatte: Phil Schiller sorgt mit seinen Argumentationsvolten für Verblüffung.
    foto: apa/afp/josh edelson

    So schnell kann Apple die "Courage" verlassen, die man beim iPhone 7 noch hatte: Phil Schiller sorgt mit seinen Argumentationsvolten für Verblüffung.

Share if you care.