Metaller-KV: Arbeitgeber mit düsterem Bild

2. November 2016, 16:45
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Industrie: Heuer kein KV-Abschluss über 1,5 Prozent – Ein Prozent mehr Lohn und Gehalt für 120.000 Metaller kostet Firmen 60 Mio. Euro

Wien – Die Arbeitgeber in der Maschinen- und Metallbauindustrie sind heute mit der Wirtschaftspolitik des Landes hart ins Gericht gegangen: Der Vorsprung gegenüber Deutschland wurde innerhalb von ein paar Jahren verschenkt, die Bürokratie und das dringend reformbedürftige Bildungssystem sowie mangelnde Investitionsanreize lassen das Land im globalen Vergleich immer weiter zurückfallen.

Diesen Rückfall teile sich Österreich mit Italien, während Polen und Tschechien ihre Wirtschaft erheblich gestärkt hätten. Aber auch die Niederlande und die Schweiz hätten sich besser entwickelt.

Prognosen nach unten

Wie schlecht es laufe, zeige auch, dass die Wirtschaftsforscher ihre Prognosen nach unten geschraubt haben, so Fachverbandsobmann Christian Knill am Mittwoch vor Journalisten. Wobei das Datum nicht zufällig gewählt war: Morgen gehen die Kollektivvertragsverhandlungen für die knapp 120.000 Beschäftigten des Fachverbandes der Maschinen- und Metallbauindustrie (FMMI) in die dritte Verhandlungsrunde, bis dato sind sich die Sozialpartner noch keinen Millimeter näher gekommen.

Bei den traditionell sehr schwierigen und langwierigen KV-Verhandlungen des Verbandes spießt es sich heuer daran, dass die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt haben, wie viel Lohn- und Gehaltserhöhung sie anbieten. Die Industriellen, in den meisten Fällen Familienbetriebe, wollen, dass zuerst die Gewerkschaften von ihrer 3-Prozent-Forderung herunter steigen. "Die drei Prozent sind willkürlich", so Knill. Gibt es morgen keine Einigung, dann wird es – wie schon in den Jahren zuvor – Betriebsversammlungen als gelinde Vorstufe zum Streik geben, haben die Chefverhandler der Gewerkschaften, Rainer Wimmer (Pro-GE) und Rudi Wagner (GPA), schon nach der zweiten ergebnislosen KV-Runde angekündigt.

Wie viel diese Betriebsversammlungen der Industrie kosten, konnte Knill heute nicht beziffern. Ein Gehaltserhöhung um ein Prozent koste der Branche jedenfalls rund 60 Mio. Euro.

Streit um Inflationsrate

Spannend wird, wie jedes Jahr, der Streit um die Inflationsrate. Traditionell wird dazu die Rate der vergangenen zwölf Monate herangezogen, für die heurigen KV-Gespräche wären das 0,8 Prozent. Da die Teuerungsrate aber zuletzt wieder angezogen hat und das WIFO für die kommenden fünf Jahre eine Inflation von 1,7 Prozent prognostiziert, schielen die Arbeitnehmervertreter lieber Richtung künftiger Teuerung.

FMMI-Geschäftsführer Bernd-Thomas Krafft betonte heute vor Journalisten, dass die Industriebranchen heuer alle unter 1,5 Prozent Lohn- und Gehaltsplus abgeschlossen hätten. Und Ulrich Schuh, wissenschaftlicher Vorstand des EcoAustria-Institutes für Wirtschaftsforschung, ergänzte, dass die ursprünglichen Wachstumsprognosen der Forscher sehr optimistisch gewesen seien und nun bereits nach unten revidiert wurden. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass sich Österreich von der Wirtschaftskrise des Jahres 2008 noch nicht erholt habe. Das Produktivitätswachstum sei "über Jahre hinweg schlecht". Dazu käme noch eine überdurchschnittlich hohe Abgabenquote, so Schuh. (APA, 2.11.2016)

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