Finanzen und Wirtschaft: Was Trump und Clinton wollen

4. November 2016, 08:00
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Hillary Clinton will die Sozial- und Gesundheitsversicherung ausbauen, Donald Trump verspricht weniger Steuern, ohne Details zu nennen

Wien – Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump und seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton schenken sich in den letzten Tagen des Wahlkampfs noch einmal ordentlich ein. Ob es um den Vorwurf nichtbezahlter Steuern geht oder den Umgang mit E-Mails: Kurz vor dem Urnengang wird zwischen den Anwärtern auf das höchste Amt im Lande noch einmal ordentlich Schmutzwäsche gewaschen.

Vertreter aus Finanzbranche und Wirtschaft warten derweil gespannt auf den Ausgang der Wahl – denn je nach Gewinner erhoffen sich unterschiedliche Branchen einen deutlichen Aufwind, denn auch in wirtschaftlichen Themen liegen die Kandidaten weit auseinander. Ein kurzer Überblick, Lady first:

· Hillary Clinton: Die Ex-US-Außenministerin will höhere Ausgaben für den Ausbau der Sozialversicherung, kostenlosen Unterricht an öffentlichen Universitäten, Schuldenerleichterungen für Studenten und eine zusätzliche öffentliche Option für das Krankenversicherungsprogramm (Obamacare). Zudem will die ehemalige First Lady das Steuersystem progressiver gestalten, die Erbschaftsteuer erhöhen, und sie setzt sich für eine Erhöhung der Besteuerungsrate für Großverdiener ein. Unternehmen sollen steuerlich hingegen nicht entlastet werden.

Clinton will die Banken noch stärker regulieren und fordert die Einführung einer Risikogebühr für Großbanken. Außerdem sollen Banker für ihre Fehler haften, und im Fall von Verlusten sollen Manager ihren Bonus verlieren. Der Hochfrequenzhandel soll durch eine neue Steuer teurer werden. Whistleblower sollen eine Belohnung bekommen, wenn sie zweifelhafte Geschäftspraktiken der Banken aufdecken.

· Donald Trump: Der Immobilien-Tycoon will hingegen Obamacare kippen und durch ein neues Modell ersetzen. Die Staatsausgaben will er effizienter gestalten – ohne bisher genau zu definieren, was er damit meint. Trump verspricht, Einzelpersonen und US-Unternehmen niedriger zu besteuern. Zur Einordnung: In den USA fallen derzeit 35 Prozent Unternehmenssteuer an – der höchste Wert aller OECD-Staaten. Der Wert soll auf 15 Prozent gesenkt werden. Zudem droht Trump mit einem Handelskrieg gegen China und Mexiko und will die US-Handelsabkommen neu aushandeln.

In puncto Finanzmarkt vertraut der Unternehmer auf die Kräfte des Marktes und prangert die Regulierung der Banken als zu stark an. Die Aufsicht schränke die Institute in ihrem Handel zu sehr ein. Daher sollen Vorschriften zur Finanzmarktregulierung rückgängig gemacht werden. Trump fordert aber anderer Regulierungsvorhaben ein. Er möchte etwa den Glass-Steagall Act wiedereinführen, der besagt, dass das Wertpapiergeschäft klar vom Kredit- und Einlagengeschäft getrennt werden muss.

Wenige Überschneidungen

Einig sind sich die Kandidaten nur in wenigen Punkten: So wollen beide die Ausgaben für die Infrastruktur massiv steigern. Beide Anwärter auf das Oval Office sind gegen den Freihandel und wollen Arbeitsplätze schaffen.

Von der Wahl Clintons sollten daher vor allem Krankenhäuser und Generikahersteller profitieren. Die angedachten Steuererleichterungen für den Mittelstand sprechen für einen Aufwind bei Aktien aus dem Bereich zyklischen Konsums. Wird Trump der neue US-Präsident, sollten unter anderem große, systemische Banken und die Industrieunternehmen von weniger Regulierung, der Kündigung von Handelsabkommen sowie der Einführung von Zollschranken profitieren.

Gewinnerzertifikat wird aufgelegt

Diese unterschiedlichen Positionen hat die Schweizer Privatbank Vontobel als Grundlage für ihre beiden "Präsidentschaftszertifikate" genommen. Anleger können sich noch bis zum Tag der Wahl, also bis zum 8. November, 17 Uhr, entscheiden, ob sie auf Clinton oder Trump setzen, und ein entsprechendes Zertifikat zeichnen. Kauft man den "Clinton-Basket", so dienen die Aktien jener Unternehmen als Basiswerte, die von Hillarys Ankündigungen profitieren sollten (siehe Grafik) – Gleiches gilt für den "Trump-Basket". Nach Bekanntgabe des Wahlresultats wird von Vontobel aber nur das Zertifikat des Gewinners der 58. US-Präsidentschaftswahlen aufgelegt.

Ein Anteilsschein kostet 100 Euro. Anleger sind mit dem Zertifikat 1:1 an der Entwicklung der zugrundegelegten Aktien (also an Gewinn und Verlust) beteiligt. Die Laufzeit beträgt ein Jahr. Am 9. November 2017 ist Bewertungstag – dann wird der Basiswert für die Kalkulation des Auszahlungsbetrags bewertet, Fälligkeitstag ist der 16. November 2017. (Bettina Pfluger, 4.11.2016)

  • Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Ob das Hillary Clinton oder Donald Trump sein wird, entscheidet sich bei der US-Präsidentschaftswahl am 8. November.
    foto: apa/afp/getty images/chip somode

    Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Ob das Hillary Clinton oder Donald Trump sein wird, entscheidet sich bei der US-Präsidentschaftswahl am 8. November.

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