China über Oettingers "Schlitzaugen"-Sager empört

2. November 2016, 16:21
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Chinesische Regierung kritisiert Äußerungen des deutschen EU-Kommissars– Regierungssprecher Seibert: Sprache sollte nicht verletzen

Peking/Berlin – China zeigt sich empört über die Äußerungen des deutschen EU-Kommissars Günther Oettinger über Chinesen und andere Asiaten. Oettingers Bemerkungen würden ein bei einigen westlichen Politikern tiefverwurzeltes Gefühl von Überlegenheit widerspiegeln, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Mittwoch.

Oettinger hatte in einer Rede vor Unternehmern in Hamburg Chinesen als "Schlitzohren und Schlitzaugen" bezeichnet. Die deutsche Regierung äußerte sich zurückhaltend. "Jeder hat seinen Vortragsstil", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Oettinger selbst hatte seine Aussage gegenüber der Zeitung "Welt" als "etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war", verteidigt. Er ist in der EU-Kommission derzeit für Telekommunikation zuständig, künftig soll er das Haushaltsressort führen.

Beziehungen angespannt

"Wir hoffen, dass diese Leute lernen können, sich und andere objektiv zu beurteilen, und dass sie gegenseitigen Respekt und Gleichbehandlung erlernen", sagte die chinesische Ministeriumssprecherin. In Deutschland war Oettinger, der sich auch zur Frauenquote und zu Eheschließungen von Homosexuellen geäußert hatte, ebenfalls scharf kritisiert worden. Familienministerin Manuela Schwesig erklärte: "Die Äußerungen von Herrn Oettinger sind homophob und rassistisch, und sie entsprechen nicht dem, was ein EU-Kommissar leisten muss."

Zurückhaltender fielen die Einschätzung Seiberts aus. Es müsse "jeder aufpassen, dass er mit seiner Sprache andere nicht verletzt". Was von Oettinger zu hören gewesen sei, sei "ganz sicherlich nicht die Sprache und der Vortragsstil der Bundeskanzlerin." Der Forderung nach einer Entschuldigung wollte sich Seibert nicht anschließen: "Herr Oettinger hat selber bereits einige umstrittene Passagen seiner Rede eingeordnet."

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China sind derzeit vor allem in Wirtschaftsfragen angespannt. Am Dienstag hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Gesprächen in Peking unter anderem mit Ministerpräsident Li Keqiang angeblich unfaire Handelspraktiken des Landes wie Dumpingpreise im Stahl und Benachteiligungen deutscher Firmen beim Marktzugang in China kritisiert. China wirft Deutschland dagegen vor, chinesische Unternehmen gegenüber anderen Investoren zu diskriminieren. (Reuters, 2.11.2016)

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